Aber da er sich unbekümmert ein Zitat von Dante so zurechtschustert, dass es ihm ins Konzept passt, sollte man auch seine anderen Zitate und Behauptungen immer überprüfen.
Die Stelle, auf die sich Kennedy, der erste katholische Präsident der USA, bezog und Krall bezieht, ist in Wahrheit nicht der finsterste, sondern sogar der hellste Ort der Hölle, ganz am Anfang nämlich, schon unter der Erde, aber noch diesseits des Acheron. Dort leiden die Lauen, die Unschlüssigen, die Agnostiker, die skeptischen Anarchen, denen auch Krall und andere sogenannte Libertäre oder Libertaristen oder Libertarianisten (die den Libertari(ani)smus gegen den Liberalismus abgrenzen, weil sie den Staat abschaffen wollen) nicht geheuer sind, weil in der Gestalt der Libertaristen der Utopismus, dieses verführerische Phantasieprodukt, das früher die Marxisten beseelte, von neuem zu einer Menschheitsplage wird, indem sie mit ihren hochfliegenden Versprechungen Hoffnungen wecken, die niemand erfüllen kann. Man kann die Stelle, die Krall am Ärmel auf seine Seite zerren möchte, im 3. Gesang der Hölle nachlesen. Diese Unentschlossenen - die nie gesündigt haben!! - sind dort zusammen mit den Engeln, die, als Luzifer und seine Gefolgschaft sich gegen Gott auflehnten, nicht wussten, ob sie auf Gottes Seite stehen sollten oder sich auf Luzifers schlagen sollten und daher unschlüssig "wegschauten".
Dante verurteilte als frommer Christ des Mittelalters diejenigen, die sich - aus seiner Sicht - nicht zwischen Gut und Böse entscheiden können. Aber das setzt voraus, dass immer klar ist, wer die Guten und wer die Bösen sind, und das ist eben nicht immer klar erkennbar (und auch zu Dantes Zeit war es nur für Gott erkennbar. Dante wusste zwar, dass er von Bonifatius VIII. ungrecht behandelt wurde, aber selbst er ist gegenüber seinem einstigen homosexuellen Lehrer ja sehr ehrerbietig, obwohl er ihn im 7. Kreis der Hölle antrifft, wo die büßen müssen, die Gott und der Natur Gewalt antaten, während er Guido Guinizelli auf dem Läuterungsberg dem Himmel entgegenstreben lässt... Auch Dante wusste also, dass Schwarz-weiß-Malerei abwegig ist). Die Stärke der Bhagavad Gita besteht darin, dass sie - anders als die biblische Literatur - nicht den Konflikt zwischen Gut und Böse behandelt, sondern den zwischen Gut und Gut! Zwischen Menschen, die beide für sich beanspruchen, die Guten zu sein, genau wie heute in Deutschland und den USA und sonst wo. Deswegen hat die Gleichgültigkeit eben doch eine eigene Würde! Und man sollte die Lauen (bei Dante "Ignavi") ehren. Und im "Wehret den Anfängen!" wohnt - so verständlich diese Aufforderung, die auf "Pflanzt eine Hecke um die Tora!" ganz am Anfang von Pirqe Avot fußt - deshalb auch die Wurzel von Übertreibung, Obsession und Fanatismus. Elie Wiesel bekämpfte sein Leben lang die Gleichgültigkeit, weil er die Würde der Gleichgültigen, Zögernden, Misstrauischen und Skrupelhaften übersah und die Gleichgültigen verachtete. Aber auch so wird man ungerecht, und nach seiner Ethik müsste man ja an jedem Proselytenstand, an dem irgendwas gerettet werden soll, eifrig seine Unterschrift hinterlassen, auch wenn man keine Zeit hat zu überprüfen, ob es Sinn hat, dies zu tun. Dass man allein aus Angst vor einem Shitstorm nicht riskieren will, eine Position zu vertreten, die einen des Weiteren um die Existenz bringen kann, konnte er sich offenbar nicht vorstellen. Man höre sich Martina Müller an.
In dem Film "The Confession" sagt Ben Kingsley in der Rolle von Harry Fertig: "Es ist nicht schwer, das Richtige zu tun. Es ist schwer zu wissen, was richtig ist und was falsch. Aber wenn man wirklich weiß, was richtig ist, ist es schwer, es nicht zu tun".
This image of the candle burning from both ends is very strong and a terrifying symbol of what can not be possible.
It
is amazing therefore, that she had such a long lasting and significant
career, as if the god Apollo himself had been holding this candle into
the night, and it is ashaming that she has been forgotten so much. So
much that I have to thank Michael Kunze for presenting us this
outstanding poet - forgotten at least in Europe where we are so ignorant
for what concerns american culture, ignorant to the point that we are
proud of our ignorance. And it is very significant that a man like
Rudolf Borchardt kept Edna St. Vincent Millay in so high esteem.
Why
- and since when - is great art in northern countries so often bound to
suffering? Remember Pasternak's statement we read the 20th of february
("What makes us ill"), remember Dylan Thomas. Dylan Thomas once came to
Florence reading his poems in the coffee bar "Le Giubbe Rosse" and
staying as a guest for some time in a villa in the Chianti. He was
always drunk with bottles of Chianti wine lying under his bed. It is
nearly impossible to meet a drunk person in Italy even during parties!
The serene, banal "normality" of a poet like Mario Luzi is quite
uncommon in northern countries, and it is quite normal in the south even
if they are "poetes maudits" like the homosexual communist Pasolini who
had an atrocious end as well, but never has made excessive use of drugs
and whose life and work cannot so easily be catalogized as burned out,
since he always has been part of a dense social tissue of cultural
collaboration with large sectors of the mainstream, even with popular
comedians like Totò, who in Italy is what Charly Chaplin is in America and what Karl Valentin tried to be in Germany.
Figures like Charlie Parker are as Edna St. Vincent Millay representing
artists of the north, were it has become - at some point of the 19.
century, dangerous to obey to an inner voice of truth calling from deep
within us. The Bohème has been romanticized as a comunity similar to the Goliards of the Middle Age. But they were simply the first example of great artists that in the age of industrialisation had the destiny to live for years in precarious conditions and often even to remain in such conditions.
Let us make some reflection too on the Grand Tour and
on the destiny of persons like Friedrich Alfred Krupp on one hand and
of Nicholas Rodney Drake (Nick Drake) on the other hand.
There is
a water metaphor which comes to my mind in front of Edna's fire
metaphor. Pasternak once has incouraged us incouraging himself with the
words "Life is overflowing the edging of any receptical."
"Kein Losungswort ist seit dem Jahre 1500 so viel mißbraucht worden wie das Wort „Freiheit“: in der Zeit der Reformation, der Französischen Revolution, des Liberalismus Europas und Amerikas, in den Schlagzeilen der Sowjetzone. Es gab dem natürlichen Bedürfnis des Menschen Ausdruck, in seiner Existenz als Individuum zu tun, was ihm gefällt. Es war das Schlagwort des Kampfes von Individuen gegen eine bindende, einengende Gruppe, gegen eine Familie, einen Stand oder im Kampf einer sozialen Schicht gegen eine zwingende höhere Gemeinschaft. Aber es wurde seltener deutlich – wohl allerdings bei Kant, Fichte, Chamberlain, Jaspers -, daß es keine absolute Freiheit gibt, sondern nur ein Gleichgewicht zwischen Freiheit und Bindung.
Für das Leben eines Individuums ist die Freiheit der Bewegung ebenso notwendig wie die Bindung an ein Elternhaus. Die Freiheit der persönlichen Schöpfung im Denken, Fühlen und Gestalten ist ebenso wichtig wie die Bindung dieser Vorgänge an eine Gemeinschaft, die mitwirkt und durch ihren Widerhall mitgestaltet.
Von diesem Gleichgewicht, von dieser lebensnotwendigen Polarität müssen wir ausgehen, der Polarität zwischen Bewegungsfreiheit und Ortsgebundenheit, Denkfreiheit und Denkausrichtung durch die Gemeinschaft, zwischen Individuum und Genossenschaft, zwischen schöpferischer Freiheit des Gestaltens und den Formen der Tradition, zwischen der Willkür des Handelns der Individuen oder der Gruppen und dem Widerhall, dem Miterleben durch die höhere Gemeinschaft. Die Existenz des Menschen umfaßt beide Pole; sein Leben entzündet sich durch die Energien, die von dem einen Pol zum anderen strömen: Freiheit und Gebundenheit.“ – Gottwalt Christian Hirsch
Der Morgen kam; es scheuchten seine Tritte den leisen Schlaf, der mich gelind umfing, dass ich, erwacht, aus meiner Hütte den Berg hinauf mit frischer Seele ging; ich freute mich bei einem jeden Schritte der neuen Blume, die voll Tropfen hing; der junge Tag erhob sich mit Entzücken, und alles war erquickt, mich zu erquicken.
Und wie ich stieg, zog von dem Fluss der Wiesen ein Nebel sich in Streifen sacht hervor, er wich und wechselte, mich zu umfließen, und wuchs geflügelt mir ums Haupt empor. Des schönen Blicks sollt´ ich nicht mehr genießen, die Gegend deckte mir ein trüber Flor; bald sah ich mich von Wolken wie umgossen und mit mir selbst in Dämmrung eingeschlossen.
Auf einmal schien die Sonne durchzudringen, im Nebel ließ sich eine Klarheit sehn. Hier sank er, leise sich hinabzuschwingen; hier teilt´ er steigend sich um Wald und Höhn. wie hofft´ ich ihr den ersten Gruß zu bringen! Sie hofft´ ich nach der Trübe doppelt schön. Der luftge Kampf war lange nicht vollendet, ein Glanz umgab mich, und ich stand geblendet.
Bald machte mich, die Augen aufzuschlagen, ein innrer Trieb des Herzens wieder kühn, ich konnt´ es nur mit schnellen Blicken wagen, denn alles schien zu brennen und zu glühn. Da schwebte, mit den Wolken hergetragen, ein göttlich Weib vor meinen Augen hin, kein schöner Bild sah ich in meinem Leben, sie sah mich an und blieb verweilend schweben.
"Kennst du mich nicht?" sprach sie mit einem Munde, dem aller Lieb´ und Treue Ton entfloss, "Erkennst du mich, die ich in manche Wunde des Lebens dir den reinsten Balsam goss? Du kennst mich wohl, an die, zu ewgem Bunde, dein strebend Herz sich fest und fester schloss. Sah ich dich nicht mit heißen Herzenstränen als Knabe schon nach mir dich eifrig sehnen?"
"Ja!" rief ich aus, indem ich selig nieder zur Erde sank, "lang hab ich dich gefühlt: du gabst mir Ruh, wenn durch die jungen Glieder die Leidenschaft sich rastlos durchgewühlt; du hast mir wie mit himmlischem Gefieder am heißen Tag die Stirne sanft gekühlt; du schenktest mir der Erde beste Gaben, und jedes Glück will ich durch dich nur haben!
Dich nenn ich nicht. Zwar hör ich dich von vielen gar oft genannt, und jeder heißt dich sein, ein jedes Auge glaubt auf dich zu zielen, fast jedem wird dein Strahl zur Pein. Ach, da ich irrte, hatt´ ich viel Gespielen, da ich dich kenne, bin ich fast allein; ich muss mein Glück nur mit mir selbst genießen, dein holdes Licht verdecken und verschließen."
Sie lächelte, sie sprach: "Du siehst, wie klug, wie nötig war´s, euch wenig zu enthüllen! Kaum bist du sicher vor dem gröbsten Trug, kaum bist du Herr vom ersten Knabenwillen, so glaubst du dich schon Übermensch genug, versäumst die Pflicht des Mannes zu erfüllen! Wie viel bist du von andern unterschieden? Erkenne dich, leb mit der Welt in Frieden!"
"Verzeih mir", rief ich aus, "ich meint´ es gut. Soll ich umsonst die Augen offen haben? Ein froher Wille lebt in meinem Blut, ich kenne ganz den Wert von deinen Gaben. Für andre wächst in mir das edle Gut, ich kann und will das Pfund nicht mehr vergraben! Warum sucht´ ich den Weg so sehnsuchtsvoll, wenn ich ihn nicht den Brüdern zeigen soll?"
Und wie ich sprach, sah mich das hohe Wesen mit einem Blick mitleid´ger Nachsicht an; ich konnte mich in ihrem Auge lesen, was ich verfehlt und was ich recht getan. Sie lächelte, da war ich schon genesen, zu neuen Freuden stieg mein Geist heran; ich konnte nun mit innigem Vertrauen mich zu ihr nahn und ihre Nähe schauen.
Da reckte sie die Hand aus in die Streifen der leichten Wolken und des Dufts umher; wie sie ihn fasste, ließ er sich ergreifen, er ließ sich ziehn, es war kein Nebel mehr. Mein Auge konnt´ im Tale wieder schweifen, gen Himmel blickt´ ich, er war hell und hehr. Nur sah ich sie den reinsten Schleier halten, er floss um sie und schwoll in tausend Falten.
"Ich kenne dich, ich kenne deine Schwächen, ich weiß, was Gutes in dir lebt und glimmt!" So sagte sie, ich hör sie ewig sprechen, "Empfange hier, was ich dir lang´ bestimmt! Dem Glücklichen kann es an nichts gebrechen, der dies Geschenk mit stiller Seele nimmt: aus Morgenduft gewebt und Sonnenklarheit, der Dichtung Schleier aus der Hand der Wahrheit.
Und wenn es dir und deinen Freunden schwüle am Mittag wird, so wirf ihn in die Luft! Sogleich umsäuselt Abendwindes-Kühle, umhaucht euch Blumen-Würzgeruch und Duft. Es schweigt das Wehen banger Erdgefühle, zum Wolkenbette wandelt sich die Gruft, besänftiget wird jede Lebenswelle, der Tag wird lieblich, und die Nacht wird helle."
So kommt denn, Freunde, wenn auf euren Wegen des Lebens Bürde schwer und schwerer drückt, wenn eure Bahn ein frischerneuter Segen mit Blumen ziert, mit goldnen Früchten schmückt, wir gehn vereint dem nächsten Tag entgegen! So leben wir, so wandeln wir beglückt. Und dann auch soll, wenn Enkel um uns trauern, zu ihrer Lust noch unsre Liebe dauern.
La mattina venne; i suoi passi congedavano il sonno silenzioso, che mite ancora mi fu intorno, ed ora sveglio, dalla mia capanna, con anima fresca, mi misi a salire il monte; mi rallegrai ad ogni passo del nuovo fiore che di gocce era colmo; giovane gioiendo si ergeva il giorno e tutto per rifocillarmi appariva rifocillato.
E mentre salivo, dal flusso dei prati strisce di nebbia venivano avanti, che cedendo poi, e poi cambiando, mi si misero intorno, e crescendo, le loro ali mi cinsero la testa. Più non mi rallegrava già la bella vista e il paesaggio da un torbido velo ora fu nascosto; presto mi vidi immerso in una colata di nubi e racchiuso nel crepuscolo, con me stesso.
Per un momento pareva penetrare la luce, e uno schiarimento apparve nella nebbia che silenziosa scendeva, ondeggiante, verso il basso, e altrove salendo, si divideva tra bosco ed altitudini. Come speravo di portarle il primo saluto! Dopo la nebbia la speravo ancora più bella. Le lotte nell’aria non erano finite che uno splendore mi fu intorno, e rimasi abbagliato.
Le palpebre tenevo chiuse, non osavo sollevarle, poi un fremito mi rese audace, e con rapide occhiate penetravo l’aria poiché in fiamme pareva ed incandescente. Ma portata dalle nubi arrivò sospesa ai miei occhi una donna divina, nessun’ immagine più bella mai vidi in questa vita. Mi guardava e rimanendo restava, sospesa.
“Non mi conosci?” mi chiese e la sua bocca era colma d’amore e di fedeltà, ”mi riconosci, me, che nelle ferite della vita il balsamo più limpido più volte ti versai? Mi conosci certamente, tu che legasti il tuo strenuo cuore per sempre a me. Non vedevo forse come con calde lacrime cercavi di raggiungermi già da ragazzo?”
“Si!” esclamai, abbassandomi a terra beato “è da molto che ti ho desiderato: tu mi donasti pace, quando le giovani membra senza quiete pervase la passione; e in giornate calde mi rinfrescasti la fronte dolcemente come con ali di cielo. Tu mi donasti i beni migliori della terra, ogni felicità voglio solo da te!
Non ti nomino. Da molti ti sento nominare, e spesso, ed ognuno ti ritiene sua, ogni occhio crede di guardare solo te, e quasi per ognuno la tua vista è dolorosa. Finché erravo non mi mancavano compagni, conoscendo te, son quasi solo; con me stesso devo dividere la mia felicità, nascondere la tua dolce essenza e rinchiuderla.
Sorrise e mi disse: “E quindi vedi com’era saggio e necessario di rivelarvi poco! Appena al riparo dal più grossolano inganno, padrone appena del primo volere di fanciullo ti credi già abbastanza sovraumano per trascurare il dovere dell’uomo! Quanto sei dagli altri diverso? Conosci te stesso, e vivi in pace con il mondo!
“Perdonami” risposi, “il mio intento era buono. Dovrei in vano tenere gli occhi aperti? Un volere lieto vive nel mio sangue, e conosco per intero il valore dei tuoi doni. Per altri cresce il nobile bene in me, non posso e non voglio seppellirlo più! Perché avrei cercato la via con tanto desiderio, se non la dovessi mostrare ai fratelli?”
E mentre così parlavo, mi guardava con clemenza e con compassione; nel suo occhio vedevo me stesso, i miei errori e ciò che avevo fatto bene. Sorrise, ed ero sano, il mio spirito aspirava a nuove gioie; e con fervida fiducia ora potevo avvicinarmi a lei e vederla da vicino.
Lei stese la mano toccando le strie leggere delle nubi e del profumo che era attorno a noi; lo afferrò ed esso si fece catturare, lo tirò a se, non c’era più la nebbia. Il mio occhio di nuovo poteva vagare nella valle, guardavo il cielo che era luminoso e magnifico. Vedevo solo lei, e nella sua mano fluire il più puro velo, che in mille pieghe le si spandeva attorno.
“Io ti conosco, conosco le tue debolezze, so della brace che vive dentro di te!”, così mi disse, la sento sempre, “Ricevi ora, quel che da tempo è destinato a te! Non mancherà mai nulla al fortunato che con anima quieta accetta questo dono: tessuto con profumo mattutino e solare chiarezza, il velo della poesia dalla mano della verità .
E quando l’afa ti affligge con i tuoi compagni a mezzogiorno, allora lancialo nell’aria! E subito la freschezza di una serale brezza, fragranza di fiori e profumo, vi conforterà. Tacerà il dolere degli angusti sentimenti terrestri, e la tomba si muta in letto celeste. Addolcita sarà l’onda della vita, il giorno amabile, e chiara la notte.”
Venite dunque, amici, quando sulle vostre vie preme la vita con peso e maggior peso, o quando una nuova e fresca benedizione, con fiori e frutti d’oro, decora il vostro tragitto. Andiamo insieme incontro al prossimo giorno! Viviamo così e camminiamo, fortunati. E anche dopo, quando saranno afflitti i nipoti, per il loro piacere dovrà durare il nostro amore.
"Kein Losungswort ist seit dem Jahre 1500 so viel mißbraucht worden wie
das Wort „Freiheit“: in der Zeit der Reformation, der Französischen
Revolution, des Liberalismus Europas und Amerikas, in den Schlagzeilen
der Sowjetzone. Es gab dem natürlichen Bedürfnis des Menschen Ausdruck,
in seiner Existenz als Individuum zu tun, was ihm gefällt. Es war das
Schlagwort des Kampfes von Individuen gegen eine bindende, einengende
Gruppe, gegen eine Familie, einen Stand oder im Kampf einer sozialen
Schicht gegen eine zwingende höhere Gemeinschaft. Aber es wurde seltener
deutlich – wohl allerdings bei Kant, Fichte, Chamberlain, Jaspers -,
daß es keine absolute Freiheit gibt, sondern nur ein Gleichgewicht
zwischen Freiheit und Bindung.
Für das Leben eines Individuums
ist die Freiheit der Bewegung ebenso notwendig wie die Bindung an ein
Elternhaus. Die Freiheit der persönlichen Schöpfung im Denken, Fühlen
und Gestalten ist ebenso wichtig wie die Bindung dieser Vorgänge an eine
Gemeinschaft, die mitwirkt und durch ihren Widerhall mitgestaltet.
Von
diesem Gleichgewicht, von dieser lebensnotwendigen Polarität müssen wir
ausgehen, der Polarität zwischen Bewegungsfreiheit und
Ortsgebundenheit, Denkfreiheit und Denkausrichtung durch die
Gemeinschaft, zwischen Individuum und Genossenschaft, zwischen
schöpferischer Freiheit des Gestaltens und den Formen der Tradition,
zwischen der Willkür des Handelns der Individuen oder der Gruppen und
dem Widerhall, dem Miterleben durch die höhere Gemeinschaft. Die
Existenz des Menschen umfaßt beide Pole; sein Leben entzündet sich durch
die Energien, die von dem einen Pol zum anderen strömen: Freiheit und
Gebundenheit.“ – Gottwalt Christian Hirsch
Die Methode der wissenschaftlichen Falsifikation ist bald tot, wenn es so weitergeht. Sie wurde von Thales eingeführt, aber 200 Jahre nach dessen Tod starb sie. Erst 2000 Jahre später wurde sie von Galilei wieder eingeführt. Und jetzt riskiert sie erneut, unterzugehen.
Seit über vier Jahren tobt in Osteuropa ein Krieg, der schon deutlich mehr als eine Millionen Menschenleben gekostet hat. Russland hat vor über vier Jahren völkerrechtswidrig angegriffen. Doch unabhängig davon handelt sich hierbei eindeutig um einen Krieg mit den Opponenten Russland auf der einen und nicht nur der Ukraine, sondern auch den meisten EU-Staaten und den USA auf der anderen Seite. Es geht bei diesem Krieg um geostrategischen Einfluss und den Zugriff auf Rohstoffe, vor allem aber um die Neuregelung der Machtverhältnisse auf dem europäischen Kontinent nach dem Ende der kurzen unipolar US-dominierten Weltordnung, die wir zwischen 1989 und 2008 erlebt haben. Warum findet dieser Krieg kein Ende, worum wird so hart und unerbittlich gekämpft, wie soll das nur weitergehen? Zunächst einmal sind beide Seiten nicht bereit, Kompromisse zu machen, weil die Opponenten noch glauben, siegen zu können oder zumindest eine Niederlage hinauszögern wollen. Russland will Territorien annektieren, wahrscheinlich auch Charkow, Dnjepropetrowsk und sicherlich Odessa, damit die künftige Ukraine keinen Meereszugang mehr hat. Außerdem will man die prowestliche Regierung beseitigen und die Restukraine dauerhaft demilitarisieren. Russland will sie auch aus der Nato oder ihrer künftigen, vielleicht rein europäischen Nachfolgeorganisation heraushalten. Die Ukraine und die EU wollen all dies verhindern, doch eine Rückeroberung der bereits verlorenen Gebiete plant man wohl nicht mehr. Zudem will man im Westen Russland schwächen und destabilisieren.
Beide Seiten haben Stärken und Schwächen, die ein rasches Ende des Krieges durch eine totale Niederlage der anderen Seite verhindern. Die Ukraine hat immer noch gerade genug Soldaten zum Halten der sehr langsam nach Westen hin bröckelnden Front, auch wenn bereits Hunderttausende getötet wurden. Die Ukraine bekommt aus dem Westen auch die wichtigsten Defensivwaffen: Artillerie, Munition, Drohnen, Raketen sowie Logistik, Aufklärung der Feindesbewegungen und Angriffskoordinaten für Attacken auf zivile Infrastruktur und Industrieanlagen in Russland. Russlands Hauptproblem scheint die innenpolitische Unmöglichkeit zu sein, einen raschen Eroberungskrieg zu führen, bei dem im erbarmungslosen Drohnenkrieg weitere Hunderttausende Soldaten stürben. Daher setzt man weiterhin auf die bisher betriebene Strategie der schleichenden Abnutzung, mit deren Hilfe man bisher glaubte, die Kriegsziele mittelfristig erreichen zu können. Doch diese Strategie wird nun durch eine westliche Eskalation konterkariert, nämlich durch Angriffe auf zivile und industrielle Infrastruktur wie Raffinerien und andere Ziele in Moskau wie am vergangenen Wochenende. Russland kann sie wegen der Größe seines Territoriums, der Verteilung der Ziele und der Mengen der eingesetzten Waffen nicht vollständig abwehren. Diese Angriffe können weiterhin gesteigert werden, beispielsweise durch die Kombination von Drohnen mit Raketen.
Bald wird der Westen ebenfalls über Überschallraketen verfügen, wie Russland, China und Iran sie schon haben. Diese sind nicht abwehrbar. In den ersten Kriegsjahren wären solche Angriffe tief im russischen Territorium noch undenkbar gewesen. Doch nun sind sie möglich geworden, weil Russland keine Abschreckungsmacht gezeigt hat – es hat diese Art von Angriffen seit dem Angriff auf Kursk im Jahre 2024 immer wieder über sich ergehen lassen, ohne entsprechend zu reagieren. Da diese Angriffe auf die Dauer große kumulative Schäden anrichten, kann Russland sie nicht mehr tolerieren. Auch aus innenpolitischer Sicht ist das nicht möglich. Aus der Perspektive seiner Strategen muss Russland seine Abschreckungsmacht nun wiederherstellen, wenn es durch den Krieg nicht in eine schwere ökonomische und innenpolitische Zwangslage gebracht werden will. Welche Möglichkeiten bestehen aus russischer Sicht? Die derzeit favorisierte Option sind Angriffe auf westliche Rüstungsunternehmen in Nato-Staaten, die Waffen für die Ukraine herstellen, aber auch Angriffe auf zivile Ziele, wie sie auch gegen Russland erfolgen. Dies ist die Forderung des radikalen Kreml-Beraters Sergei Alexandrowitsch Karaganow. Um die Abschreckungsmacht Russlands wiederherzustellen, schlägt er vor, den Westen mit konventionellen Raketen anzugreifen und sogar taktische Atomwaffen einzusetzen, falls Ersteres zu keinem Ende der Angriffe auf Russland führt.
Nun sind taktische Atomwaffen anders einzuschätzen als strategische, doch ist die Vorstellung einer solchen Eskalation grauenvoll. Und das soll sie auch sein. Diese Position vertritt Karaganow schon länger, doch während er anfangs kein Gehör fand, scheint er nun in Moskau immer mehr Anhänger seiner Abschreckungsdoktrin hinter sich zu scharen. Lohnt sich für den Westen die derzeit betriebene Eskalation? Ich glaube nicht. Denn sie hat das Potenzial, die Nato zu zerstören, und zwar dann, wenn Russland die karaganowschen Angriffe ausführt, es aber zu keinem Nato-Beistand der USA für die betroffenen Nato-Länder kommt. Außerdem ist die Vorstellung eines eskalierenden Luftkriegs zwischen EU-Europa und Russland mit vielen zivilen Opfern grauenhaft. Dies ist nicht im Interesse der beteiligten Völker. Was wir nun brauchen, ist ein Rückkehr zu Verhandlungen, bei der die Sicherheitsinteressen Russlands ernst genommen werden und man sich der neuen multipolaren Realität stellt, um die kontinentalen Machtverhältnisse neu zu ordnen. Nur dadurch können die jahrhundertealten Handelsbeziehungen zu Russland, die für unseren Wohlstand und Frieden essenziell sind, wiederhergestellt werden. Die Alternative ist ein Zermürbungskrieg, den wir im Zweifel auf bitterste Weise verlieren, aber sicherlich nicht gewinnen werden. Landgrebe
Die Borniertheit meiner nächsten Verwandten in diesem Punkt war mir seit 1972 unerträglich. Was wir jetzt erleben, ist nur die Zuspitzung einer Haltung, die latent immer vorhanden und ihre Wirkung unausgeprochen entfaltete und - da es nur zwei bzw. drei TV-Sender gab - auch nie thematisiert wurde. Denn ein solch überschaubares Senderspektrum ist leicht zu kontrollieren und zu zügeln. Durch Leute, die wissen, wie man es machen muss, um keine Reichweitenbschränkung zu erleiden, werden Medien wie YouTube und vor allem X tatsächlich zu Freiheitsmedien. Bisher jedenfalls. Ich war in dieser Hinsicht immer sehr pessimistisch. Aber inzwischen bin ich wirklich positiv überrascht, wie sich die Dinge (dank Trump, Vance und Rubio!) entwickeln. Vielleicht wird am Ende Ronald Reagan doch recht behalten. Ich wünsche es mir jedenfalls.
So gut wie die beiden sind, waren die deutschen Medien, seit ich sie erlebe, noch nie. Großes Lob gilt natürlich auch den alten Hasen Roland Tichy, Peter Hahne und Burkhard Müller-Ullrich.
Aber das wirklich Erfreuliche ist, dass unter den jungen Männern sich noch diese wundervollen, mutigen, intelligenten, erfolgreichen Männer befinden, die sogar innovativ sind und endlich genau den Journalismus aus dem Nichts erschaffen, nach dem ich mich seit 1970 sehne.
Es ist inzwischen zu spät, um es noch zu verhindern. Merkel hätte sich rechtzeitig mit der AfD verbünden müssen, statt sich bei den Medien anzubiedern. Merz hätte sich noch auf die Seite der AfD schlagen können, wenn er intelligent genug und robust genug wäre. Ist er aber nicht. Um die wütende, vor Hass rasende Reaktion der Antifa zu verhindern, wäre es für Merz ohnehin zu spät gewesen.
Von dieser Frau auch noch aus dem Off einen Tritt versetzt zu bekommen, ist die ultimative Demütigung. Und nach all dem Schaden, den sie erst in die Wege geleitet hat, ist es auch ein Tritt ins Gesicht aller Deutschen.
Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) möchte nicht Bundespräsidentin werden. Dazu fehle ihr die Kraft, sagte sie im Interview mit dem WDR-News-Podcast 0630 auf dem Europaforum in Berlin – zu sehen auch in der Aktuellen Stunde. pic.twitter.com/qX3g8P3ygN
Er hat große Verdienste, besonders auch was seine Bücher für junge Leser betrifft. Aber in seinem "Deutsche Geschichte für junge Leser", das eigentlich sehr gelungen ist, schreibt er en passent auch haarsträubenden Unsinn, nämlich, man habe die Erde für eine Scheibe gehalten, bevor Kolumbus Amerika entdeckte. Wer solch grobe Fehler macht, verliert viel Glaubwürdigkeit. Denn dass ich das so in der Schule lernte, ist schlimm genug, aber dass selbst ein Historiker so etwas Unsinniges schreibt, ist tragisch.
Ich selbst hatte in den 80er Jahren eine tiefe Identitätskrise, als ich bemerkte, dass Dante um 1300 eine kugelförmige Erde beschrieb und sich sogar vorstellte, wie sich beim Überschreiten des Erdmittelpunkts die Richtung der Gravitationskraft änderte. Denn Schule und Literatur hatten mich darin bestärkt zu glauben, dass man im Mittelalter die Erde für eine Scheibe hielt. Was soll man Historikern glauben, die solchen Unsinn verbreiten?!
Der mutigste Historiker Deutschlands ist gewiss nicht Weißmann, sondern Stefan Scheil, der sich mühsam, aber erfolgreich gegen den Vorwurf der Verfassungsfeindlichkeit zur Wehr setzte.
Preußen grundsätzlich verleumden, aber - wenn es einem in den Kram passt - dann plötzlich aus dem Hut zaubern
Deutschland ist in die Hand von Grünschnäbeln wie Mirko Drotschmann und Justus Bender geraten, die mit dem Gestus des überheblichen Klassensprechers die Deutschen belehren wollen, die Französische Revolution habe uns die Demokratie geschenkt (in Wahrheit war es die Amerikanische Revolution, die der König Frankreichs finanziert hatte, um die Briten zu schwächen) und dass man Hitler hätte verbieten können. Diese Einfaltspinsel sind nur zu schematischem Wunschdenken fähig, aber in der Position, in die sie gehieft wurden, können sie nur größenwahnsinnig werden.
Kaufhold glaubt nicht, dass im Parlament die Politik durchgesetzt werden kann, die diese schreckliche Kaderfunktionärin sich wünscht, und deshalb glaubt sie, Gerichte müssen mit ihren Urteilen das Parlament an die Kandare nehmen, damit Kaufholds Wunschpolitik durchgesetzt wird.
Umgekehrt müssen Leute wie Steinhöfel verhindern, dass Juristen wie Kaufhold (und willfährige Politiker) sich nicht mehr an Recht und Gesetz halten. Aber er kann nicht alles allein machen. Steinhöfel, Vosgerau und Höcker sind ein bisschen wenig, um Widerstand zu leisten.
Ich habe Verständnis für das sarkastische Fazit von Marco Gallina. Deutschland ist in vielerlei Hinsicht ein lebensfeindlicher Ort geworden, wo mit sentimentalem Lebensbejahungsexibitionismus in ewig gut gelaunten Talkshows diese Lebensfeindlichkeit überspielt wird. Ständig zwischen Selbsterniedrigung und Größenwahn hin- und hergerissen verlieren die Deutschen, getrieben von Sehnsucht nach Anerkennung für ihre totale Wiedergutwerdung immer mehr den Verstand. Die Geschichte mit dem Wal wird immer mehr zum Symbol der Lage. Kein Wal vor ihm hat je so sehr leiden müssen wie die Deutschen an Friedrich Merz.
Es
fing schon mit der RAF an, bloß gaben Islamisten damals noch vor,
Marxisten zu sein. Es setzte sich mit Chomeini fort, der sich nicht
hinter Marx versteckte, aber trotzdem von der Linken sofort verklärt
wurde, auch weil viele iranische Anhänger Chomeinis in Europa
Kommunisten waren, und jetzt, wo der Islam gänzlich hemmungslos ist,
haben die Linken immer noch nicht begriffen, dass sie nur "nützliche
Idioten" sind und irgendwann über die Klinge eines Krummschwerts springen werden.
Wolfgang Wodarg schlägt, um den Dialog zwischen den Fraktionen zu fördern, vor, die Sitzordnung im Parlament nach alphabetischer Reihenfolge zu gestalten. Außerdem möchte er, dass nur noch Direktkandidaten ins Parlament kommen und dass elektronisch abgestimmt wird, und zwar immer offen, damit jeder weiß, wie wer agestimmt hat.
Ich habe die oft einseitige Kritik an Ungarn und Orban nie geteilt. Aber dieses Telefonat zwischen
Szijjártó und Lawrow macht deutlich, wie sehr die ungarische Regierung inzwischen zum verlängerten Arm Russlands in der EU geworden ist:
Tragischerweise ist dafür derselbe Mann verantwortlich, der 1989 "Verhandlungen über den sofortigen Beginn des Abzugs der russischen Truppen" aus Ungarn und einen "westlichen europäischen Entwicklungsweg" forderte:
Hauser müsste eigentlich Pflichtlektüre an den Gymnasien sein. Musterbeispiel für gut geschriebene, leicht lesbare, packende Prosa, die dennoch durch die Fußnoten Verzweigungen zu einem ungeheuren Wissensschatz bietet. Seine Sozialgeschichte der Kunst und Literatur schlägt vier Fliegen mit einer Klappe: 1. Überblick über die europäische Literatur (ganz ohne die drögen, lückenhaften und nichtssagenden Pflichtübungen des deutschen Studienplans), 2. damit verflochtener Überblick über die Geschichte der Bildenden Künste in Europa, 3. Einblick in die wissenschaftlichen und volkswirtschaftlichen Grundbedingungen, die künstlerischen Entwicklungen vorausgehen, 4. Einblick in die Philosphie als Geistesgeschichte, die die Entwicklung der Kunst begleitet oder ihr vorausgeht. Das Ganze so spannend und klar geschrieben, dass man es wie einen Roman liest.
Hinzu kommt für den heutigen Leser, dass man sich heutzutage im Netz all das, was Hauser erwähnt hat, auf zahlreichen Farbaufnahmen ansehen kann.
Hausers Abhandlung hat nur zwei Schwächen. Zum einen, dass er die germanische (bzw. skythisch-sarmatische, von den Germanen aufgegriffene und adaptierte) Ornamentik an den Stabkirchen, die später in den keltischen Evangeliarien perfektioniert wurde, nicht auf symbolistische Bedeutungen hin untersucht. Die verschlungenen Bänder und Linien der Evangeliarien - die Hauser als "Nervenimpressionismus" bezeichnet - entstehen gleichzeitig mit einer naturalistischen Dichtkunst in einer Bauernkultur und sind in meinen Augen eine Art geistiges Myzel, eine Mischung aus sulcus exaratus und Wurzelwerk durch welche alles mit allem ineinander verschlungen und verbunden wird. Die Ornamentik der Anfangsbuchstaben in den Bilderhandschriften wirken auf mich wie Bindeglieder zwischen dem Gedankengeflecht und dem Labyrinth der Welt. Die ornamentale Hervorhebung der Anfangsbuchstaben hatte die Funktion, dem Leser bei der Orientierung auf der Suche nach bestimmten Textstellen zu helfen: der Beginn jeder logischen Sektion wurde mit solchen Anfangsbuchstaben gekennzeichnet (die oft in Bildform den Inhalt des Folgetextes zusammenfassten). In diesem Sinne sind auch die Schnörkel des Barock und die wundervollen Muster der "Gotik" (die eigentlich FrankoNormannik heißen müsste und insofern einen arabischen Akzent hat, als sie bereits 400 Jahre zuvor bei Afraganus anklingt, und auch die Araber griffen den Spitzbogen nur auf, denn es gab ihn schon bei den Sumerern) nicht einfach nur Ornamentik, sondern spielerische Sehnsucht nach dem Geflecht des Universums, nach kosmischem Internet, wie es auch in Ernst Jüngers herrlichem Buch "An der Zeitmauer" anklingt.
Beim Betrachten dieser wunderschönen Verschlingungen muss ich an einen Text von Peter Hodina denken:
SOCKELCHAOS
Über Messiehaushalte und ähnliches
Das Chaos dort ist eine latente Ordnung, die vorerst noch in die andere Richtung driftet.
Allerdings ist zu beachten, dass in einem begrenzten Raum wie in einem unaufgeräumten Zimmer ziemlich bald einmal sich die Unordnung verlangsamt, man kann monate- und jahrelang so hausen, ohne dass die Unordnung noch nennenswert sich intensivierte.
Also es gibt etwa diese 14 Tage bis drei Wochen, in denen sich, wenn man grundsätzlich nicht aufräumt, das Chaos bildet, das SOCKELCHAOS, wie ich es nennen möchte, danach verlangsamt es sich.
Faszinierend ist immer der Kabelsalat, bei dem man sich wundert, wie schnell der entsteht und wie vertrackt sich der verwickelt. Vielleicht könnte man vom Modell des Kabelsalats her ein solch chaotisches Zimmer in der Theorie aufrollen.
Es handelt sich Gott sei Dank um meist schnurlose Elemente, die in einem nichtaufgeräumten Zimmer sich mit der Zeit durcheinandermischen. Manchmal, wenn man allzu lange mit Aufräumen zuwartet, in einer unwahrscheinlichen Weise. Man könnte dann sagen, eine solche Zimmer(nicht)bewirtschaftung ist bis zum erlebt totalen und in seiner Totalität auch wieder auf alles Einzelne sich erstreckenden Widersinn gediehen.
Wären all die durcheinandergeratenen Dinge allesamt mit Kabeln versehen, würde sich diese Unordnung als ein tatsächlich kaum mehr aufzulösender Kabelsalat herausstellen, als Gordischer Knoten, den nur mehr der radikale Schwerthieb der Totalentsorgung zu erledigen vermöchte, wonach dann die Grundreinigung erfolgen mag.
Heißt nicht Ordnungmachen die Dinge von ihren unsichtbaren Bändern, in die sie sich verstrickt haben, zunächst freizuschneiden?
Ist nicht ein Messie derjenige, der in diese imaginären Bänder sich selbstfesselnd verheddert?
Ein von den Dingen nicht Abgenabelter?
Er will das Fort ans Da ketten. So sind die kaum mehr findbaren Dinge fort, obwohl sie da sind.
Ist das Sockelchaos erst einmal entstanden, wird durch Herumsuchen weiteres Chaos angerichtet. Suchen im Chaos ist eine nur punktuelle Ordnungstat, die zusätzlich Unordnung macht, bis das gesuchte Ding gefunden ist. Ich gehe schon an das Chaos unter dem Gesichtspunkt der Ordnung heran, wenn ich in der begründeten Hoffnung suche, dass das Ding sich noch im Raum befinden müsse.
Doch entstehen bei diesem Suchprozess, sofern er hektisch erfolgt, zumeist Kollateralunordnungen. Ist er nicht hektisch, können Teilordnungsansätze die Suche lichtend erleichtern, sodass man hier von ORDNUNGSHAUFEN sprechen kann oder ORDNUNGSTÜRMEN, die aus dem sonstigen Überschwemmungsgebiet des Zimmerchaos herauszuragen beginnen.
Wird das Aufräumen aber mit dem endlichen Fund des Gesuchten belohnt und reicht das einem schon wieder, werden jene Ordnungstürme, indem sie früher oder später wieder einstürzen, zu neuen Hotspots der Durchmischung. Sie sind latente Tretminen weiterer Verunordentlichung.
Der HAUFEN ist überhaupt philosophisch interessant, da er sowohl Ausdruck einer Tendenz zur Unordnung als auch einer Tendenz zur Wiederherstellung einer Ordnung sein kann. Dem Kenner und Spurendeuter bleibt das nicht verborgen. Er erkennt den Haufen, der dem Wiederaufbau dient, der zumindest ein Ansatz zur gegenläufigen ektropischen Ordnungsbewegung ist. Bleibt allerdings ein solcher gutgemeint gewesener Haufen liegen oder der Stapel, der Turm stehen, erodiert er je länger desto mehr entropisch.
Ist also, um Hodinas Gedanken weiterzuführen, nicht sogar ein Messias derjenige, der sich in diese imaginären Bänder
verheddert, ein Nichtabgenabelter, ein ins spirituelle Mycel Gebetteter,
ein Echo der Verschlingungen, die wir von der Stabkirche in Urnes,
Borgund und Heddal kennen, von Vafthrudnir, dem mächtigen Weber, von
jedem Textus, vom sulcus exaratus und dem Wurzelwerk, dass ihn umfängt,
und von den Initialen der keltischen Evangeliare, besonders dem von
Lindisfarne?
Die Geschichte Irlands muss noch erforscht werden. Niemand weiß, wie es
kam, dass diese Peripherie Europas viel früher christianisiert wurde als
Deutschland (das von Nachfahren eben dieser Iren bekehrt wurde). Bertrand
Russel vermutete, dass Irland seine Entwicklung gebildeten Galliern
verdankt, die dort auf der Flucht vor Attila ins Exil gingen.
Später taucht diese Ornamentik wieder bei Leonardo Da Vinci mit sehr explizitem Symbolismus in der Sala delle Asse auf. Ob er wohl longobardische Flechtornamentik gesehen hatte?
Hier drei Beispiele angel-sächsischer Schmuckstücke aus dem Staffordshire Hoard.
Die zweite Schwäche betrifft Hausers offensichtliche Verlegenheit, in die ihn sein eigener Interpretationsschlüssel letztendlich bringt. Er hält die Anwendung seiner Deutungskriterien durch alle Epochen hin mit durchaus plausiblen Überlegungen durch, von der prähistorischen Höhlenmalerei bis zum Barock. Aber dort, wo diese Deutungsmuster sich entweder selber widerlegen würden oder die Französische Revolution und alles, was danach zur Demokratisierung Europas beitrug, in Frage stellen würde, endet seine Betrachtung: je nach Temperament des Lesers endet sie schlicht, einfach, kommentarlos, ratlos, verlegen, betroffen, betreten oder kaltschnäuzig, auf jeden Fall wortlos. Beim Barock ist jedenfalls Schluss. "Die Aufklärung hat den Himmel verdunkelt." sagte Heidegger. Hauser schrieb nicht über dieses Dunkel. Er beschrieb aus diesem Dunkel heraus rückblickend alles Vorherige, was Glanz hatte. Es hatte alles Glanz! Er rückte es nicht ins Licht, er betrachtete selbst im Dunkel sitzend, was noch Glanz besaß. Alles, was nach dem Barock entstand, passt nicht mehr zu Hausers dichotomischem Prinzip. Mozart ist der letzte Glanz, aber bereits Teil der Age of Enlightenment. Mit Beethoven beginnt die Ahnung der Katastrophe, mit Schönberg wird die Katastrophe, in der Hauser sich befand (und deren Gefangene wir immer noch sind) perfekt.
Man kann nicht von Ornamentik und ineinander verschlungenen Linien sprechen, ohne den Orient zu erwähnen. Das gilt für die Teppiche, die schon die keltischen Mönche beeinflussten, wie die islamische Architektur, die in meinen Augen noch spiritueller ist als die gotischen Kirchen, zumindest in einigen Fällen, wie z.B. der Alhambra.
Der Dichter Abu-Hatem es Segestani
- aus Persien, oder Sizilien (darüber
wurde man sich noch nicht einig) -
schrieb ein langes Loblied auf die Palme:
von Gottes Hand geformter Baum,
Abbild des Menschen,
wie der Mensch Abbild Gottes ist.
Vortrefflicher Baum,
der dem Schritt des Islam folgt,
dem Gläubigen eine Gabe,
wird er spenden milden Schatten
den schwarzäugigen, keuschblickenden Jungfrauen im Paradies,
deren Nacktheit in den Händen des wahren Gläubigen fließen wird.
Die Wissenschaftler
sagen, die Palmenlinie hat
nichts mit dem Vormarsch des Islam zu tun,
aber sie verschiebt sich jedes Jahr 500 Meter
nach Norden.
Was mich betrifft,
würde ich nicht beschwören,
dass diese Verschiebung nichts mit dem Islam
zu tun hat, und dass die Palmenlinie jedes Jahr
nur 500 Meter nach Norden rückt.
Es sind wahrscheinlich mehr.
Mal verharrt sie eine Weile...
Mal rückt sie weiter...
"Die Wissenschaftler sagen, dass die Palmenlinie, also die Isotherme, die das Gedeihen der Palme gewährleistet, nach Norden wandert, ich glaube 500 Meter pro Jahr... Die Palmenbaumlinie... Ich nenne es die Kaffeelinie! Die Linie starken, schwarzen Kaffees... Diese Linie krabbelt wie das Quecksilber im Thermometer nach oben, diese Palmenlinie, diese Linie des starken Kaffees, diese Skandalisotherme. Sie wandert immer weiter hinauf durch ganz Italien und hat Rom bereits passiert...." Leonardo Sciascia 1961 in "Der Tag der Eule"
"Ich hasse und verachte Sizilien in genau dem Maße, in dem ich es liebe. Und in dem Maße, in dem es auf die Art von Liebe, die ich gerne für Sizilien empfinden würde, nicht eingeht." Leonardo Sciascia
Letzteres könnte ich haargenau so über Deutschland sagen.
Schon auf der Volksschule (1963 - 67) - so wurde damals die Grundschule noch völlig selbstverständlich bezeichnet - war es mir unangenehm und unverständlich, dass meine Altersgenossen eine spöttische Haltung einnahmen, sobald das Wort "Treue" auch nur auftauchte. Wir wussten doch überhaupt nichts. Und trotzdem hatte sich ihnen der Zeitgeist mitgeteilt, und sie hatten ihn angenommen... Wie es dazu kommen konnte, hat mich lange beschäftigt.