In letzter Zeit musste ich öfter an die überaus erfolgreiche Filmkomödie „Good Bye Lenin“
von 2003 (allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Kinobesucher)
denken. Sie handelt von einer linientreuen DDR-Mutter, die kurz vor der
Wende 1989 ins Koma fällt und die deutsche Wiedervereinigung verschläft.
Als sie viele Monate später wieder erwacht, setzen ihre Kinder alle
Hebel in Bewegung, um sie vor den dramatischen Veränderungen, die sich
in Deutschland ereignet haben, zu verschonen und ihre labile Gesundheit
nicht zu gefährden. Ein lustiges Versteckspiel aus Lügen und
Halbwahrheiten beginnt, und der Film zieht seine Komik aus den vielen
„kapitalistischen“ Alltagsbegebenheiten, die nun so uminterpretiert
werden müssen, dass sie weiterhin ins Bild der untergegangenen
DDR-Ideologie passen.
Ich musste also öfter an „Good Bye Lenin“ denken, denn manchmal komme
ich mir genau so vor: irgendetwas Entscheidendes habe ich verschlafen!
Irgendetwas habe ich nicht mitbekommen, habe eine Entwicklung verpasst,
die zum Verstehen der gegenwärtigen Ereignisse jedoch Not täte.
Erst vor wenigen Tagen saß ich mit einem meiner besten Freunde
zusammen, den ich nur noch selten im Jahr sehe. Wir haben eine bewegte
Adoleszenz gemeinsam verbracht und zusammen das Abitur auf der Deutschen
Schule in Washington gemacht. Im Gegensatz zu mir hat er dann etwas
Ordentliches studiert und ist in die Wirtschaft gegangen. Inzwischen hat
er sein eigenes sehr erfolgreiches Unternehmen und gehört ganz sicher
zu den Privilegierten in unserem Land, was Reputation und monetäre
Ausstattung angeht.
Wir saßen also zusammen in einem dieser Hipster-Restaurants von
Berlin und unser Gespräch kam auch auf die Bundestagswahl. Er hatte die
CDU gewählt, weil er Angela Merkel als eine ehrenwerte Person ansieht
und - wörtlich - „Mitleid und Barmherzigkeit“ in der deutschen Politik
für wichtig hält. Ich fand die Begründung sehr interessant. Als
erfolgreicher Unternehmer weiß er natürlich, dass Mitleid und
Barmherzigkeit weder politische noch wirtschaftliche Kategorien sind.
Würde ein Beratungsunternehmen seiner Firma „Mitleid und Barmherzigkeit“
als Unternehmensziel verordnen, er würde es eher heute als morgen
feuern. In der Politik sind „Mitleid und Barmherzigkeit“ jedoch
Wahlkriterien.
Nun ist mein Freund sehr gebildet, sehr international und sehr
weltoffen, und ich werde einen Teufel tun, seine Begründung lächerlich
zu finden. Ich nehme sie ernst und erkenne in ihr ein Bedürfnis nach
religiöser Legitimation von Politik, wie sie in unserem Land inzwischen
wieder weit verbreitet ist. Natürlich geht mein Freund Sonntags nie in
die Kirche. Er hat sein Bedürfnis nach Mitleid und Barmherzigkeit an die
Politik outgesourced, was ganz sicher ein Zeichen säkularisierter
Gesellschaften ist. Alle Lebensbereiche werden von kleinlichen
Interessen bestimmt, da soll sich Politik um das interesselose Große,
Schöne und Wahre kümmern.
Was wir Deutschen inzwischen als humanitären Imperativ zur
Staatsräson erhoben haben, hat Frau Merkel von den Linken abgekupfert.
Denn die Linken, die waren schon immer die Guten mit dem großen Herz,
und endlich dürfen die Konservativen ihren kalten Hauch des
Unmenschlichen hinter sich lassen. Ist doch so?
Die Wahrheit ist, dass auch die Linken ihr großes Herz für
Flüchtlinge erst vor kurzem entdeckt haben. Bei der Partei DIE LINKE
dürfte das noch am offenkundigsten sein, hat doch ihre
Vorgängerorganisation, als sie noch die staatlichen Mittel in der Hand
hatte, dafür gesorgt, dass Flüchtlingen regelmäßig beim Verlassen der
DDR in den Rücken geschossen wurde. Aber wie steht es mit der SPD und
den GRÜNEN, die sich seit 2015 im Wettlauf um die schönste
Flüchtlings-Poesie befinden? Ihr Herz für Flüchtlinge haben auch sie
erst entdeckt, als die Flüchtlinge nicht mehr Deutsche waren, sondern
aus den entferntesten Regionen der Erde kamen.
So schreibt DER SPIEGEL vom 18.9.1989 - also in Zeiten, als
SPIEGEL-Journalisten noch weitgehend ohne Scheuklappen und Sprachverbote
schreiben konnten - unter der Überschrift „Das Faß läuft über“: Der
Flüchtlingszuzug aus der DDR verschärft die Wohnungsnot, Experten
warnen vor einer „Katastrophe“ und orten einen „Nährboden für Radikale“.
Damals übrigens weigerten sich die progressiven Kräfte in
Westdeutschland, Bürger aus der DDR, die nach Westdeutschland geflohen
waren, als Flüchtlinge zu bezeichnen (auch von Geflüchteten und
Schutzsuchenden war man noch weit entfernt). Übersiedler oder
„Rübergemachte“ wurden sie genannt, und da schwang schon eine gute
Portion progressive Verachtung mit.
Einige Wochen später, am 23. Oktober 1989, heißt es dann im SPIEGEL: Die
Ressentiments gegen Übersiedler erhalten beinahe täglich Nahrung durch
neue Reizbilder in den Medien. Wenn die Ankömmlinge im Westfernsehen
aufgekratzt Deutschland-Fähnchen schwenken, ihre DDR-Kennzeichen am
Wartburg bis aufs bloße „D“ durchstreichen und die neuerworbenen
Bundespässe voller Nationalstolz in die Kamera halten, graust es vielen
Grünen, die sich auf ihre internationalistische Gesinnung viel zugute
halten. „Die Zonis küssen ja den BRD-Boden wie der Papst“, beobachtete
entgeistert ein Mitglied der Hamburger Grün-Alternativen Liste
Und DER SPIEGEL schreibt weiter: Schwierigkeiten im Umgang mit
den SED-Flüchtlingen haben westdeutsche Linke auch deshalb, weil der
Massenansturm Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot weiter verschärft.
Heimische Zukurzgekommene fühlen sich durch die Neubürger zusätzlich
benachteiligt.
Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Hermann Heinemann
(SPD) sah sich letzte Woche genötigt, vor einer „Verhätschelung“ der
DDR-Übersiedler zu warnen: Hiesige Arbeitslose müßten „mit Bitterkeit“
registrieren, daß den Zuwanderern Arbeitsplätze „auf dem goldenen
Tablett“ serviert würden.
Vielen Gewerkschaftern sind die DDR-Übersiedler zudem als Streber
mißliebig, die im Verdacht stehen, jede Arbeit anzunehmen, zu fast
jedem Preis. In Berliner Szene-Kneipen wird schon über die „neuen
Arschkriecher“ gewettert, in Hamburg besprühten Unbekannte Hauswände mit
der Parole: „Kritische Mitbürger aus der DDR willkommen, Anpasser und
Lohndrücker Nein Danke“. Daß nach einer Umfrage über 60 Prozent der
Zuwanderer CDU wählen würden, paßt vielen Linken ins Bild.
In West-Berlin, wo das Gerangel um Arbeitsplätze und Wohnungen
besonders heftig ist, haben grüne Politiker bereits eine
Zuzugsbegrenzung für DDR-Übersiedler ins Gespräch gebracht. (…)
Einzelnen SPD-Politikern kommt die Massenflucht mittlerweile
ebenfalls ungelegen. Mit Hinweis darauf, daß die DDR nicht ausbluten
dürfe, forderte der West-Berliner Abgeordnete Ehrhart Körting, die
Übersiedlung per Gesetz zu erschweren, etwa durch eine Abschaffung der
Rentenberechtigung. Wer die DDR verändern wolle, müsse sicherstellen,
argumentiert Körting, daß die kritischen Bürger auch dortblieben.
Der humanitäre Imperativ und die Einforderung von Mitleid und
Barmherzigkeit sind auch bei den Linken eher Erscheinungsformen neueren
Datums. Sahen sie die deutschen Flüchtlinge Ende der 80er Jahre noch als
Bedrohung an und ähnelten in der Argumentation durchaus denjenigen, die
sie heute als Wutbürger beschimpfen, so können die Linken inzwischen
die Arme nicht weit genug für alle Menschen fremder Provenienz
aufreißen, um Willkommen zu schreien. Die Vorstellung, ein Martin Schulz
(„was die Flüchtlinge bringen, ist wertvoller als Gold“) oder eine
Katrin Göring-Eckardt („die Flüchtlinge machen unser Land besser“)
hätten sich mit gleicher Verve für DDR-Flüchtlinge ins Zeug gelegt, wie
sie es jetzt für die Hunderttausenden Iraker, Afghanen und Marokkaner
tun, ist zumindest eine lustige, wenn auch abwegige.
Und dann war es da wieder, dieses Gefühl wie aus „Good Bye Lenin“,
dass ich irgendetwas verschlafen habe: die Einführung der unbedingten
Flüchtlingsliebe und des humanitären Imperativs bei den Linken. Ich
hatte sie schlicht verpennt. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den
Augen: die Linken lieben gar nicht die Flüchtlinge, sie hassen sie
einfach ein bisschen weniger, als sie die Deutschen hassen.
Der humanitäre Imperativ wirkt daher so verlogen wie vorgeschoben, um
die Lust der heutigen Linken an der mutwilligen Zerstörung der
deutschen Gesellschaft zu kaschieren. Was wie gottgegebene Moral und
Barmherzigkeit aussieht, erscheint als die späte Rache der Linken für
die erlittene Schmach, die deutsche Einheit nicht aufgehalten haben zu
können. Derartige schlafende Rachegelüste sind weitaus wirkmächtiger als
Humanismus und Menschenliebe. Markus Vahlefeld
Donnerstag, 31. August 2017
Mittwoch, 30. August 2017
Im Äon der selbstgerechten Eigenständigkeit
Im Endspurt des vergangenen Bundestagswahlkampfes trat die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen am 22. September in Erfurt kräftig in die Pedale.
Mit Man- bzw. Woman-Power strampelten die Vorreiter für »alternative Energien« auf festmontierten Drahteseln, um mit der gewonnen Energie eine Kaffeemaschine zu betreiben. Gute Idee, könnte man meinen. Radfahren ist ja so gesund und umweltfreundlich. Aber: Taugt das Rad auch für die umweltfreundliche Energieproduktion?
Wie wäre es eigentlich, wenn da nicht wackere Kämpferinnen und Kämpfer für eine Zukunft ohne Atome, Gene und chemische Verbindungen, aber eben doch nur Freitzeitradler in die Kurbeln träten, sondern muskelstarke Berufspedaleure mit Radsportvollzeitpensum?
Weltklassefahrer erreichen Spitzenleistungen von über 400 Watt. Wenn sie acht Stunden lang im Sattel sitzen, reduziert sich die Durchschnittsleistung natürlich deutlich. Ein Profiradrennfahrer, der in einer Flachetappe im Feld bei 40 km/h mitrollt und dabei im Windschatten knapp 40% Kraftaufwand einspart, leistet konstant etwa 200 Watt.
Säße da also nicht nur das Bündnis 90 auf dem Hobel, sondern acht kräftige und durchtrainierte US-Postal- oder Team-Telekom-Sportler, dann könnten die, wenn sie jeden Tag acht Stunden lang auf dem Rad säßen, täglich 12,8 Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren. Im ganzen Jahr – inklusive Wochenenden, Feiertage und ohne Urlaub – macht das 4672 kWh.
Der Haken an der Sache: Es wird zwar in den Freundeskreisen des »Öko«-Stroms gerne erzählt, dass uns die Sonne keine Rechnung schicke, aber von nichts kommt nichts. Die 4672 kWh Strom gehen mit einem erhöhten Nahrungsverbrauch einher. Nun denken wir natürlich nachhaltig und ressourcenschonend, darum ernähren wir die Radsportler mit dem effizientesten Nahrungsmittel überhaupt: mit Mais. Kein Nahrungsmittel hat ein so gutes Verhältnis von Kalorien zu Anbauflächenbedarf.
100 Gramm Mais geben 374 Kilojoule (kJ) Energie her. In guten Jahren erntet man in Deutschland rund 10 Tonnen Körnermais pro Hektar. 4672 kWh entsprechen 16,8 Millionen kJ. Um diese Energie mittels Mais aufzubringen, wären demnach 0,45 Hektar Anbaufläche nötig. Leider ist der Mensch aber kein Wunderwerk der Effizienz, sondern die Muskeln geben neben der Bewegungsleistung vor allem Wärme ab. Nur rund 20 Prozent der investierten Energie können beim Radfahren in Bewegung umgesetzt werden. Das achtköpfige Radsport-Ökostrom-Team brauchte für diesen Mehraufwand eine zusätzliche Anbaufläche von 2,25 Hektar. Nun reichen die 4672 kWh gerade mal für einen durchschnittlichen Haushalt. Deutschland hat aber einen Stromverbrauch von 525 Terawattstunden (TWh), sprich: 525.000.000.000 kWh. Um diese Energiemenge mit austrainierten Profiradfahrern bereitzustellen, brauchte man nicht deren acht, sondern 900 Millionen.
Die Anbaufläche für den zusätzlichen Energiebedarf dieser wahrscheinlich indischen oder chinesischen Radsport-Armada betrüge über 2,5 Millionen Quadratkilometer. Angesichts dessen, dass Deutschland nur über eine Fläche von 357.000 Quadratkilometern verfügt, ergibt sich ein gewisses Problem. Es wäre zu klären, welche Länder den Gürtel enger schnallen und Agrarflächen zur Verfügung stellen müssten, damit sich der Traum vom »umweltfreundlichen« Zweiradstrom erfüllen liesse.
Ach ja, noch ein Gedanke zum Strompreis (die Kosten für die Fahrräder und die Arbeitgeberbeiträge lassen wir mal weg): Wenn die 900 Millionen Pedaleure den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde kriegen, wären dafür über 2600 Milliarden Euro jährlich nötig. Die Kilowattstunde würde dann 44 Euro kosten.
Fragen, die jetzt noch zu klären wären:
- Wie viele Liter Diesel wird für die Bewirtschaftung der Anbaufläche benötigt?
- Welche Auswirkungen hätte die enorme Abwärme der 900 Millionen Radsportler auf das Klima?
- Könnte man diese Abwärme nutzen, um im Winter »erneuerbar« zu heizen?
- Wäre im Sommer ein erhöhter Stromverbrauch für Klimaanlagen in Kauf zu nehmen?
- Wie hoch wäre der Wasserverbrauch des Radteams im Vergleich zu den von den Grünen so geschmähten Rindvieheinheiten?
- Wieviel Anbaufläche ginge für Bio-Kettenöl drauf? Christian Weiss auf Nuclearia
Dienstag, 29. August 2017
Proportionen
Wenn man als 60jährige Journalistin noch bei der taz
schaffen geht, ist man entweder eine Enthusiastin oder nicht besonders
intelligent oder beides zusammen – "Oft vereinet ein Gemüte/Dämlichkeit
mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch) –, wovon die bei Maischberger
vorgeladene 60jährige taz-Journalistin Bettina Gaus mit dem Statement
Zeugnis ablegte:
"Eine Million kann dieses Land gut verkraften. Wenn 83 Leute in einem Raum sitzen und eine Person kommt rein und fragt, ist hier noch Platz, würde kein Mensch sagen: Nein, es ist überfüllt."
Es wäre in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass, erstens, die Alterstruktur derer im Raum nicht ganz unerheblich ist, und es zweitens im gesamten Haus nur wenige Zimmer gibt, die überfüllter sind.
Nehmen wir beides, Altersstruktur und Alltagsgedränge, kurz unter die Lupe, um uns die Proportionen zu veranschaulichen:
„In einer postrechtsstaatlichen Gesellschaft, in der gewaltsame Fehden ausgetragen werden, spielt die absolute Zahl der Menschen keine Rolle mehr. In der Demokratie hat jeder Bürger eine Stimme, wie schwach und inkompetent er auch sein mag, und vor dem Gesetz sind alle gleich. In der Tribalgesellschaft ist dies anders. Hier kommt es darauf an, starke, handlungsfähige, kampfbereite Verbündete zu gewinnen, und da zählt ein junger Krieger mehr als eine alte Frau.
In Deutschland gibt es zur Zeit etwa 5 Millionen junge Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Zieht man davon eine Million Männer mit 'Migrationshintergrund' ab, so bleiben 4 Millionen ethnisch deutsche Männer. Die Einwanderung von jungen Männern aus Tribalgesellschaften beträgt zur Zeit etwa 800.000 Personen im Jahr. Dies bedeutet, daß in fünf Jahren etwa ebenso viele tribalgesellschaftliche junge Krieger in Deutschland leben werden, wie es deutsche Männer in ihrer Altersgruppe gibt. Der quantitative Effekt der Einwanderung auf die indigene Bevölkerung ist also weit höher, als wenn man nur die absolute Zahl der Einwanderer (1 Million) in Bezug setzt zur Gesamtbevölkerung (80 Millionen), was im Jahr nur 1,25 % sind.
Allerdings bedeutet dies nicht, daß sich innerhalb von nur fünf Jahren gleich große Bürgerkriegsarmeen gegenüberstehen werden. Die Einwanderer entstammen zwar Tribalgesellschaften und verfügen über die entsprechende Aggressivität, doch kommen sie aus sehr verschiedenen Gesellschaften, d. h. sie bilden keinen einheitlichen 'Stamm', auch wenn sie (etwa als sunnitische Muslime) bestimmte kulturelle Gemeinsamkeiten haben. Was ihnen jedoch fehlt, ist eine umfassende Organisation. Sie sind daher trotz ihrer Größe nicht zu einem koordinierten Angriff fähig, während die nationalen Sicherheitsbehörden (Polizei, Bundeswehr) dazu durchaus in der Lage sind. Eine generelle Erfahrung komplexer Gesellschaften lautet, daß militärisch gut organisierte Minderheiten in der Lage sind, größere Mehrheiten zu beherrschen, solange es gelingt, diese desorganisiert zu halten. Eine militärische Machtübernahme von Islamisten ist daher nicht zu erwarten.
Statt dessen aber ist der Rückzug des Rechtsstaats aus der Regelung von Alltagskonflikten sehr wahrscheinlich. Die Existenz und Legitimität des Rechtsstaats beruht letztlich auf seiner nicht in Frage gestellten Selbstverständlichkeit. Diese wird im multitribalen Kontext aber aufgelöst, und es entsteht eine merkwürdige Gemengelage unterschiedlicher normativer Orientierungen. So kann man (in der heutigen Anfangsphase der Auflösung des Rechtsstaats) beobachten, daß dieser seine feinsinnigen, auf eine hochgradig integrierte und befriedete Gesellschaft eingestellten Regeln auch auf Situationen anwendet, die nahe am Bürgerkrieg liegen. So gibt es bei Gesetzesverstößen das Institut der Bewährungsstrafe, das von der Annahme ausgeht, die Regelverletzung sei ein reversibler Irrweg, und man dürfe dem Verletzer nicht den 'Rückweg' in die normale soziale Existenz verbauen. Wenn man diese Bewährungsstrafe auf einen Delinquenten aus einer Tribalgesellschaft anwendet, wird er dies als Freispruch und damit als Ausdruck von Schwäche interpretieren. Er muß sich nicht 'bewähren', denn seine ‚Integration’ in die eigene Gesellschaft hat er nie verloren. Die deutsche rechtsstaatlich geprägte Gesellschaft ist für ihn dagegen bloßes Beutegebiet, auf das er umso entschlossener zugreifen wird, je schwächer der Widerstand ist."
(Rolf Peter Sieferle, „Das Migrationsproblem“, S. 114-115, zitiert nach Acta Diurna 5. 10. 2017)
"Eine Million kann dieses Land gut verkraften. Wenn 83 Leute in einem Raum sitzen und eine Person kommt rein und fragt, ist hier noch Platz, würde kein Mensch sagen: Nein, es ist überfüllt."
Es wäre in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass, erstens, die Alterstruktur derer im Raum nicht ganz unerheblich ist, und es zweitens im gesamten Haus nur wenige Zimmer gibt, die überfüllter sind.
Nehmen wir beides, Altersstruktur und Alltagsgedränge, kurz unter die Lupe, um uns die Proportionen zu veranschaulichen:
„In einer postrechtsstaatlichen Gesellschaft, in der gewaltsame Fehden ausgetragen werden, spielt die absolute Zahl der Menschen keine Rolle mehr. In der Demokratie hat jeder Bürger eine Stimme, wie schwach und inkompetent er auch sein mag, und vor dem Gesetz sind alle gleich. In der Tribalgesellschaft ist dies anders. Hier kommt es darauf an, starke, handlungsfähige, kampfbereite Verbündete zu gewinnen, und da zählt ein junger Krieger mehr als eine alte Frau.
In Deutschland gibt es zur Zeit etwa 5 Millionen junge Männer im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Zieht man davon eine Million Männer mit 'Migrationshintergrund' ab, so bleiben 4 Millionen ethnisch deutsche Männer. Die Einwanderung von jungen Männern aus Tribalgesellschaften beträgt zur Zeit etwa 800.000 Personen im Jahr. Dies bedeutet, daß in fünf Jahren etwa ebenso viele tribalgesellschaftliche junge Krieger in Deutschland leben werden, wie es deutsche Männer in ihrer Altersgruppe gibt. Der quantitative Effekt der Einwanderung auf die indigene Bevölkerung ist also weit höher, als wenn man nur die absolute Zahl der Einwanderer (1 Million) in Bezug setzt zur Gesamtbevölkerung (80 Millionen), was im Jahr nur 1,25 % sind.
Allerdings bedeutet dies nicht, daß sich innerhalb von nur fünf Jahren gleich große Bürgerkriegsarmeen gegenüberstehen werden. Die Einwanderer entstammen zwar Tribalgesellschaften und verfügen über die entsprechende Aggressivität, doch kommen sie aus sehr verschiedenen Gesellschaften, d. h. sie bilden keinen einheitlichen 'Stamm', auch wenn sie (etwa als sunnitische Muslime) bestimmte kulturelle Gemeinsamkeiten haben. Was ihnen jedoch fehlt, ist eine umfassende Organisation. Sie sind daher trotz ihrer Größe nicht zu einem koordinierten Angriff fähig, während die nationalen Sicherheitsbehörden (Polizei, Bundeswehr) dazu durchaus in der Lage sind. Eine generelle Erfahrung komplexer Gesellschaften lautet, daß militärisch gut organisierte Minderheiten in der Lage sind, größere Mehrheiten zu beherrschen, solange es gelingt, diese desorganisiert zu halten. Eine militärische Machtübernahme von Islamisten ist daher nicht zu erwarten.
Statt dessen aber ist der Rückzug des Rechtsstaats aus der Regelung von Alltagskonflikten sehr wahrscheinlich. Die Existenz und Legitimität des Rechtsstaats beruht letztlich auf seiner nicht in Frage gestellten Selbstverständlichkeit. Diese wird im multitribalen Kontext aber aufgelöst, und es entsteht eine merkwürdige Gemengelage unterschiedlicher normativer Orientierungen. So kann man (in der heutigen Anfangsphase der Auflösung des Rechtsstaats) beobachten, daß dieser seine feinsinnigen, auf eine hochgradig integrierte und befriedete Gesellschaft eingestellten Regeln auch auf Situationen anwendet, die nahe am Bürgerkrieg liegen. So gibt es bei Gesetzesverstößen das Institut der Bewährungsstrafe, das von der Annahme ausgeht, die Regelverletzung sei ein reversibler Irrweg, und man dürfe dem Verletzer nicht den 'Rückweg' in die normale soziale Existenz verbauen. Wenn man diese Bewährungsstrafe auf einen Delinquenten aus einer Tribalgesellschaft anwendet, wird er dies als Freispruch und damit als Ausdruck von Schwäche interpretieren. Er muß sich nicht 'bewähren', denn seine ‚Integration’ in die eigene Gesellschaft hat er nie verloren. Die deutsche rechtsstaatlich geprägte Gesellschaft ist für ihn dagegen bloßes Beutegebiet, auf das er umso entschlossener zugreifen wird, je schwächer der Widerstand ist."
(Rolf Peter Sieferle, „Das Migrationsproblem“, S. 114-115, zitiert nach Acta Diurna 5. 10. 2017)
Sonntag, 27. August 2017
Metaebenen
Ich hatte hier gestern den Versuch unternommen, das Buch "Mit Linken leben" von Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz zu loben, aber dessen Gegenstand als langweilig zu verwerfen –, denn was könnte es Langweiligeres geben, als mit Linken zu leben? vielleicht mit Salafisten zu trinken? –, was gründlich danebenging, woraufhin ich die kurze Notiz getilgt habe. Wenn ein talentierter Fotograf in immer neuen Variationen die Steppe ins Bild setzt, bleibt es doch die Steppe und nichts als das. Sommerfeld und Lichtmesz beschäftigen sich hingebungsvoll und akribisch, sarkastisch und humorvoll mit der umfassendsten geistigen Öde unseres Epöchleins: der westlichen, speziell natürlich deutschsprachigen Linken, die keinen Daseinsgrund mehr besitzt, weil längst sogar die Kanzlerin linke Politik macht und eine noch linkere Opposition eine noch linkere Politik nicht wirklich fordert, sondern dies nur fingiert, weil selbst der linkeste Linke nach dem Zusammenbruch der UdSSR kapiert hat, dass man die Kuh, die man melken will, nicht umbringen darf. Es geht um eine Linke, die keine Bewegung mehr ist, erst recht keine Avantgarde (sofern sie das je war), sondern eine abgestillte, pappsatte, dröge, dumpfe, aggressive, machtgeschützte, medial mit einheitsparteilicher Verve verbreitete, von der evangelischen Kirche bis zum DFB, von der taz bis zur Bertelsmann-Stiftung getragene, eine umfassende Mentalitätsherrschaft ausübende Großclique, die keine Köpfe und Ideen mehr hervorbringt, dafür scharenweise Denunzianten und Mitläufer, die keinen Esprit mehr produziert, sondern buntbemalte begriffliche Stacheldrahtverhaue, die nicht provoziert, sondern wittert und Lunte riecht, die an den Universitäten das freie Denken abgeschafft und durch einen grotesken Theoriekrieg gegen die Realität ersetzt hat, die sich im "Kampf gegen rechts" zum Endaufklärungs-Thing und Totemdienst versammelt und deren Bodentruppen jeden schikanieren, der aus der Reihe tanzt und rote Linien überschreitet – wobei die gesamte Chose sofort zusammenbräche, käme eine Regierung an die Macht, die nichts weiter täte als das System der staatlichen Alimentierung abzuschaffen, sprich GEZ-Gelder weg, Staatsknete für den „Kampf gegen rechts“ und alle seine Antonio-Amadeu-Afterstiftungen weg, Bühnensubventionen weg, Kulturförderung für alles Zeitgenössische weg, Kirchensteuer abschaffen etc.
"Wir müssen mit Linken leben und sie mit uns", hebt das Buch menschenfreundlich an. "Die linke Ideologie ist heute in sämtliche Ritzen der Gesellschaft gedrungen", konstatieren Sommerfeld/Lichtmesz, und so leuchten sie auch noch die Ritzen aus und führen den Leser durch den gesamten begrifflichen und vor allem affektiven Raum ohne Volk, der heute von linksdrehenden, links sprechenden, links empfindenden, links heuchelnden Figuren bevölkert wird. Die Autoren definieren die verschiedenen Spielarten des Linksseins ("Statuslinke", "Ressentimentlinke", "Gefühlslinke", "Alt-68er" etc. ad nauseam pp.); ihr Glossar reicht vom "Virtue signalling" (= Tugendprahlerei) über das "Gaslightning" (= die Alltagserfahrungen der Menschen zur subjektive Wahrnehmungsstörung erklären) bis zum "Cuck", dem effeminierten westlichen Schrumpfmann, einer Parodie des Mannes, der gern "authentisch" ist und sich schämt und weint, wie mein journalistischer Zweitlieblingsnarr Hannes Stein, dem durch die Trump-Wahl das bergende überseeische Gesäß abhanden kam und der seine temporäre metapolitische Obdachlosigkeit in einem durchaus legendären Kommentar in der Welt beschrieb mit den gefügelten Worten: "Ich nahm ihre Hand (die seiner Frau – M.K.), dann weinte auch ich. 'Unser Sohn, unser Sohn', sagte ich." Und dann wechselte sie die Windeln und er machte das Bett, zog couragiert in den Kampf ins Büro, und abends traf man sich wieder zum seligen Aufeinandereinschluchzen... –
Sommerfeld und Lichtmesz analysieren all jene Phobien, die angeblich Rechte befallen und Linke nie, liebevoll widmen sie sich den Ängsten, die immer unbegründet bzw. "geschürt" sind, dem "Gedankengut", das immer rechts ist, dem Hass und der "Menschenverachtung", das eine in der öffentlichen Wahrnehmung so originär "rechts" wie das andere und so fort. Zur Widerlegung des "gängigen Narrativs: daß 'die Rechten' so etwas wie ein homogener, geschlossener Block von frustrierten Querulanten, Provokateuren und 'Abgehängten' seien", zitieren die Autoren "starke Eideshelfer" (Th. Mann), wobei das schönste, decouvrierendste Zitat von Jack Donovan stammt und lautet: "Wenn ein Mann mir versichert, er sei gegen Rassismus oder Sexismus oder Xenophobie oder Transphobie oder was auch immer gerade angesagt ist, dann ist alles, was ich sehe: Angst. Er hat Angst, seinen Job zu verlieren. Er hat Angst, seine Kunden zu verlieren. Er hat Angst, von der Schule geschmissen zu werden. Er hat Angst, von den Medien angeschwärzt zu werden. Er hat Angst, verklagt zu werden. Er hat Angst, sein Haus zu verlieren. Er hat Angst, seine Freundin oder Ehefrau zu verlieren. Er hat die Dienstvorschriften unterzeichnet (...), er kennt die Regeln, und er hat gesehen, was mit denen passiert, die gegen sie verstoßen haben. Viele Männer haben Angst, die Gedanken auch nur zu denken, die zu den Worten führen könnten, die ihnen Ärger einbringen können. Es ist gruslig. Ich verstehe es."
Es ist vor allem immer und immer wieder abstoßend, und öde und langweilig, und so bekam ich denn nach der Hälfte des Buches einen Wutanfall, schmiss das arme Ding in die Ecke, summte mit Johannes Gross: "Links zu sein bedarf es wenig" vor mich hin und schrieb besagte Kurzkritik des o. gen. steppenabholden Tenors, pardon, pardon. Denn selbstverständlich, geneigter Leser, sollten Sie dieses Buch lesen, sofern Sie sich nicht den Luxus leisten können, ohne Linke zu leben, doch wer kann das schon?
(Caroline Sommerfeld/Martin Lichtmesz: "Mit Linken leben", 328 S. Schnellroda 2017, bestellbar hier.) MK am 27. 10. 2017
Mittwoch, 23. August 2017
Wiedergutwerdung
Der Schriftsteller Heinrich Böll (1917 - 1985) ist weitgehend vergessen. Er wird im literarischen Diskurs nur mehr als Nachkriegsschriftsteller geführt, oder, herabwürdigender noch, als Schulbuchautor. Dabei galt Böll, Literaturnobelpreisträger von 1972, in den 1970ern als Gewissen der Nation. Er dachte vor, was die Guten im Lande von verzwickten Entwicklungen des politischen Geschehens zu denken hatten.
Besonders wichtig war das in Gemengelagen wie zur Zeit des RAF-Terrors. Bevor die linken Ton-Angeber dazu den Mund aufmachten, stellten sie sich erst mal die Frage: Was sagt Böll? Der gute Mensch von Köln war das Leitmedium der 1970er. Was beweist, dass die Abgabe des eigenen Urteilsvermögens an Mediengarderoben wie denen in Hamburg oder Prantlhausen keineswegs ein neuartiges Phänomen darstellt.
Fast 50 Jahre später ist kein weiser alter Häuptling mehr verfügbar, der moralisch Beratungsbedürftige mit der Milch der zivilgesellschaftlichen Denkungsart versorgt. Dafür geigt ein ganzes Orchester aus Politikern, Gewerkschaftern, Medienschaffenden, Kirchenleuten, EEG-Lobbyisten, Klimaapokalyptikern, Islamverstehern, Werterelativierern, Migrationserklärern, Minderheitenbeschützern, Rassismus-Exorzisten und Pressure Groups für jedes nur denkbare Partikularinteresse dem Volk von früh bis spät ins Ohr, was es, das Volk, zu denken habe.
Die Transformation von Deutschland in die moralische Superflowerpowergroßmacht des Planeten, welche alle Mühseligen und Beladenen der Welt mit geöffneten Armen und gezückten Brieftaschen empfängt, gleichzeitig die Renten erhöht und die Lebensarbeitszeit verkürzt, dabei selbstfahrende Elektroautos und preiswerten Wunderstrom einführt, Armutsländer zu blühenden Landschaften promoviert und nebenher passende Toiletten für 71 Geschlechter aufstellt -, diese Erfolgsgeschichte wäre betörend.
Sofern andere Länder nicht vorher beschließen, um Deutschland einen Zaun zu ziehen und das Staatsgebiet per UNO-Resolution zur geschlossenen Anstalt zu erklären.
Wie Schland in diesen Zustand geraten konnte, hat der Autor Markus Vahlefeld in einem scharfsinnig geschriebenen Buch dargelegt, dessen Titel bereits die ultrakurze Inhaltsangabe ist: „Mal eben kurz die Welt retten. Die Deutschen zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung.“ Die Sehnsucht der Deutschen nach „Wiedergutwerdung“ sei es, so Vahlefeld, die sie so gefügig macht für die Akzeptanz offenkundig hirnrissiger Vorstellungen wie die von einer „Energiewende“ mittels Zappelstromerzeugung. Oder für die Annahme, eine Masseneinwanderung von Bildungsfernen aus gescheiterten Staaten mit vormittelalterlichen Bräuchen könnte den hiesigen Lehrlings-, Ärzte-, Ingenieure- und Facharbeitermangel beheben.
Selbst die Tatsache, schreibt der Autor, dass gemäß einer Auswertung der Hamburg Media School von 34.000 Beiträgen zur „Flüchtlingsproblematik“ 82 Prozent positiv aufgeladen waren und nur sechs Prozent dieses Thema problematisiert hatten, könne allein nicht erklären, weshalb große Teile der schonetwaslängerhierlebenden Bevölkerung noch immer, wenn auch vielleicht nur mehr drittelherzig, der Durchhalteparole traut: „Wir schaffen das.“
Nicht mal die den Darbietungen einer Propagandakompanie ähnlichen Berichte öffentlich-rechtlicher Fernsehsender aus der Hochzeit der Flüchtlingsströme – gezeigt wurden vorzugsweise Frauen mit kulleräugigen Kindern, nicht die weitaus überwiegenden Scharen junger, häufig aggressiv auftretender Jungmänner –, nicht mal diese „moralische Generalmobilmachung“ (Vahlefeld) der Medien zugunsten der Kanzlerin hätte für sich genommen bewirken können, dass ein allgemeiner Aufschrei angesichts der sperrangelweit offenen Schotten unterblieb.
Dahinter stecke mehr, meint Vahlefeld. Nämlich eine seit Jahrzehnten von Lehranstalten und Medien in die Gehirne implantierte Vorstellung, die deutsche Geschichte mit Auschwitz habe das Land im späten Ergebnis zu einer Art Besserungsanstalt veredelt, deren Insassen sich ständig mit neuen Guttaten bewähren müssten, nein dürften.
Das sei der tiefere Grund für eine groteske Situation: „Die bis dato nur von linksextremen Splittergruppen zu hörenden Slogans ‚no borders‘ und ‚kein Mensch ist illegal‘ wurden unter einer CDU-Kanzlerin zur offiziellen Regierungspolitik.“ Wer hartleibig insistiere, es gebe „keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ (Peter Sloterdijk), werde flugs auf die Achse des Bösen verbannt.
Wie ein Exkurs wirkt zunächst Vahlefelds Kapitel über das „linke Denken“. Ein Blick zurück ins Oberstübchen des grünlinken Gesellschaftsverständnisses hilft jedoch, das aktuelle Geschehen im Tollhaus D ansatzweise zu begreifen. Vahlefeld nennt das Etikett linksliberal, das am gegenwärtigen Zeitgeist baumelt, puren Schwindel. Zu Recht: links (staatshörig, gängelungsgeneigt, verbotsverliebt) und liberal (der Freiheit des Individuums gegenüber staatlichen Zumutungen verpflichtet) sind Antagonismen.
Das Wort wurde überhaupt nur geprägt, um den nach Erfolglosigkeit müffelnden Begriff links ein bisschen aufzupeppen.
In Amerika firmieren Linke übrigens nicht als left-wingers, was sie tatsächlich sind, sondern lieber als liberals, wie in dem wunderbar weinerlichen „The Logical Song“ der Collegecombo „Supertramp“ von anno 1979 anzuhören. Auch Al Gore hält sich für einen Liberalen.
Linksliberal (aka weltuntergangsängstlich, stets um alles besorgt, vor allem um die eigene Gesundheit) sei das neue links, schreibt Vahlefeld, nicht zu verwechseln mit dem alten links, das für Arbeit, Fortschritt, Zukunftsoptimismus stand. Linksliberal müsste eigentlich grünlinks heißen, denn Linksliberale hätten diverse Versatzstücke aus dem grünen Fundus gemopst. Etwa die „Kultur des Weniger“, die Anbetung der Ökologie, die Geringschätzung der Freiheit. Die „Quäkeridylle“ (Vahlefeld) der Ökohysteriker, die allem das Primat der Umweltverträglichkeit überstülpen – sogar pupsende Kühe werden auf diese Weise zu Klimaverbrechern – ist von den einstigen Landkommunen-Schraten ausgehend längst tief ins Sozenmiljöh eingesickert.
Ja, die neue Linke – vor allem ihr akademischer Zweig – ist ganz gut darin, Tatbestände durch Sprachregelungen zu verändern, ja auf den Kopf stellen zu wollen. Indem die „herrschende“ Sprache zum bloßen gedanklichen Konstrukt erklärt wird, tut sich mittels semantischer Umtopfung ein weites Feld für neue Deutungshoheiten auf. Vahlefeld erklärt das am Begriff „strukturelle Gewalt“, ersonnen 1969 von einem schwedischen Friedensforscher.
Der stellte dem altmodischen Gewaltbegriff, welcher physische Gewalt meint, die angebliche Gewalt der Strukturen entgegen, welche Menschen daran hindert, so zu sein und zu leben, wie sie’s gerne hätten: „Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist.“
Wenig erstaunlich, dass in Ländern wie Schweden oder Deutschland große Teile der veröffentlichten Meinung, aber auch ein Teil der so grundierten Richterschaft, kuschelweich mit Straftätern umgehen, die es vorgeblich oder wirklich schwer gehabt haben im Leben. Und selbstredend haben nach schwedischer Lesart neun Zehntel der Weltbevölkerung das unabdingbare Menschenrecht, ihrer strukturellen Gewalt zu entfliehen und sich in Gegenden niederzulassen, die friedlicher, sozialer und klimatisch angenehmer sind.
„Die akademische Linke glaubt“, schreibt Vahlefeld, „mit der Herrschaft über die Begriffe und Worte auch die Herrschaft über die Gesellschaft insgesamt erringen zu können.“
Der Erfolg dieser Bemühungen ist beträchtlich. Man kann das an der Karriere eines Begriffs festmachen. Bei den Strömen von Menschen, die während der Jugoslawienkriege in den 1990ern nach Deutschland kamen (und die sich zu einem erheblichen Teil bis heute nicht wirklich integriert haben), sprachen die Medien noch von „Asylanten“ oder „illegalen Zuwanderern“. Beide Zuschreibungen fallen mittlerweile schwer unter Naziverdacht.
Ab dem Merkel-Dekret 2015 begann sich mediendeckend das Wort „Flüchtling“ pauschal für alle durchzusetzen, die es irgendwie ins Land geschafft haben. Weil das –„ing“ angeblich sächlich-abwertend klang, benutzte eine Reihe von Journalisten bald das Wort „Geflüchtete“, und zwar nicht nur in der „taz“. Neuerdings taucht öfters der frömmelnde Begriff „Schutzsuchende“ auf, welcher den Leser mit der Nase drauf schubsen möchte, um was es verdammt noch mal geht.
Wahrscheinlich ist das aber nicht das Ende der Fahnenstange. Da nun häufiger Fälle publik werden, in denen Menschen vor Schutzsuchenden Schutz suchten - übrigens auch echte Schutzsuchende -, muss was Neues her. Wie wäre es mit „Opfer struktureller Gewalt“?
Vahlefelds eleganter Flug über das Kuckucksnest D (der deutsch-englische Autor, geboren 1966 in Hongkong, kennt seine Adornos, Horkheimers, Blochs, schreibt stringent und kultiviert), hat eine interessante Punktlandung gemacht. Sein auf eigenes Risiko im Selbstverlag publiziertes Buch, das ohne nennenswerte Werbung auskommen musste und noch von keinem großen Medium einer Rezension für wert befunden wurde (kein Wunder bei dem Testat, das er großen Teilen der Medien ausstellt), geriet zum Bestseller. Über 10.000 verkaufte Exemplare in ein paar Monaten – für eine politische Bestandsaufnahme mehr als Ritterschlag.
Wie kommt so was zustande? Ich habe da eine Ahnung. „Mal eben kurz die Welt retten“ ist bei allem Irrsinn, den es auflistet und einordnet, durchaus kein düsteres Deutschland-am-Ende-Werk. Durch die Zeilen schimmert, jedenfalls für mich, irgendwie die Hoffnung, dass Aufklärung etwas bewirken kann. Dass vielleicht nicht alles gut, womöglich aber doch ein bisschen besser werden könnte, als es derzeit möglich scheint. Hier geht’s zur ultimativen Revue des Spätmerkelismus.
Markus Vahlefeld: Mal eben kurz die Welt retten - Die Deutschen zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung, Mai 2017. Erhältlich im Buchhandel, auf amazon oder direkt auf markus-vahlefeld.de
Besonders wichtig war das in Gemengelagen wie zur Zeit des RAF-Terrors. Bevor die linken Ton-Angeber dazu den Mund aufmachten, stellten sie sich erst mal die Frage: Was sagt Böll? Der gute Mensch von Köln war das Leitmedium der 1970er. Was beweist, dass die Abgabe des eigenen Urteilsvermögens an Mediengarderoben wie denen in Hamburg oder Prantlhausen keineswegs ein neuartiges Phänomen darstellt.
Fast 50 Jahre später ist kein weiser alter Häuptling mehr verfügbar, der moralisch Beratungsbedürftige mit der Milch der zivilgesellschaftlichen Denkungsart versorgt. Dafür geigt ein ganzes Orchester aus Politikern, Gewerkschaftern, Medienschaffenden, Kirchenleuten, EEG-Lobbyisten, Klimaapokalyptikern, Islamverstehern, Werterelativierern, Migrationserklärern, Minderheitenbeschützern, Rassismus-Exorzisten und Pressure Groups für jedes nur denkbare Partikularinteresse dem Volk von früh bis spät ins Ohr, was es, das Volk, zu denken habe.
Die Transformation von Deutschland in die moralische Superflowerpowergroßmacht des Planeten, welche alle Mühseligen und Beladenen der Welt mit geöffneten Armen und gezückten Brieftaschen empfängt, gleichzeitig die Renten erhöht und die Lebensarbeitszeit verkürzt, dabei selbstfahrende Elektroautos und preiswerten Wunderstrom einführt, Armutsländer zu blühenden Landschaften promoviert und nebenher passende Toiletten für 71 Geschlechter aufstellt -, diese Erfolgsgeschichte wäre betörend.
Sofern andere Länder nicht vorher beschließen, um Deutschland einen Zaun zu ziehen und das Staatsgebiet per UNO-Resolution zur geschlossenen Anstalt zu erklären.
Wie Schland in diesen Zustand geraten konnte, hat der Autor Markus Vahlefeld in einem scharfsinnig geschriebenen Buch dargelegt, dessen Titel bereits die ultrakurze Inhaltsangabe ist: „Mal eben kurz die Welt retten. Die Deutschen zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung.“ Die Sehnsucht der Deutschen nach „Wiedergutwerdung“ sei es, so Vahlefeld, die sie so gefügig macht für die Akzeptanz offenkundig hirnrissiger Vorstellungen wie die von einer „Energiewende“ mittels Zappelstromerzeugung. Oder für die Annahme, eine Masseneinwanderung von Bildungsfernen aus gescheiterten Staaten mit vormittelalterlichen Bräuchen könnte den hiesigen Lehrlings-, Ärzte-, Ingenieure- und Facharbeitermangel beheben.
Selbst die Tatsache, schreibt der Autor, dass gemäß einer Auswertung der Hamburg Media School von 34.000 Beiträgen zur „Flüchtlingsproblematik“ 82 Prozent positiv aufgeladen waren und nur sechs Prozent dieses Thema problematisiert hatten, könne allein nicht erklären, weshalb große Teile der schonetwaslängerhierlebenden Bevölkerung noch immer, wenn auch vielleicht nur mehr drittelherzig, der Durchhalteparole traut: „Wir schaffen das.“
Nicht mal die den Darbietungen einer Propagandakompanie ähnlichen Berichte öffentlich-rechtlicher Fernsehsender aus der Hochzeit der Flüchtlingsströme – gezeigt wurden vorzugsweise Frauen mit kulleräugigen Kindern, nicht die weitaus überwiegenden Scharen junger, häufig aggressiv auftretender Jungmänner –, nicht mal diese „moralische Generalmobilmachung“ (Vahlefeld) der Medien zugunsten der Kanzlerin hätte für sich genommen bewirken können, dass ein allgemeiner Aufschrei angesichts der sperrangelweit offenen Schotten unterblieb.
Dahinter stecke mehr, meint Vahlefeld. Nämlich eine seit Jahrzehnten von Lehranstalten und Medien in die Gehirne implantierte Vorstellung, die deutsche Geschichte mit Auschwitz habe das Land im späten Ergebnis zu einer Art Besserungsanstalt veredelt, deren Insassen sich ständig mit neuen Guttaten bewähren müssten, nein dürften.
Das sei der tiefere Grund für eine groteske Situation: „Die bis dato nur von linksextremen Splittergruppen zu hörenden Slogans ‚no borders‘ und ‚kein Mensch ist illegal‘ wurden unter einer CDU-Kanzlerin zur offiziellen Regierungspolitik.“ Wer hartleibig insistiere, es gebe „keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ (Peter Sloterdijk), werde flugs auf die Achse des Bösen verbannt.
Wie ein Exkurs wirkt zunächst Vahlefelds Kapitel über das „linke Denken“. Ein Blick zurück ins Oberstübchen des grünlinken Gesellschaftsverständnisses hilft jedoch, das aktuelle Geschehen im Tollhaus D ansatzweise zu begreifen. Vahlefeld nennt das Etikett linksliberal, das am gegenwärtigen Zeitgeist baumelt, puren Schwindel. Zu Recht: links (staatshörig, gängelungsgeneigt, verbotsverliebt) und liberal (der Freiheit des Individuums gegenüber staatlichen Zumutungen verpflichtet) sind Antagonismen.
Das Wort wurde überhaupt nur geprägt, um den nach Erfolglosigkeit müffelnden Begriff links ein bisschen aufzupeppen.
In Amerika firmieren Linke übrigens nicht als left-wingers, was sie tatsächlich sind, sondern lieber als liberals, wie in dem wunderbar weinerlichen „The Logical Song“ der Collegecombo „Supertramp“ von anno 1979 anzuhören. Auch Al Gore hält sich für einen Liberalen.
Linksliberal (aka weltuntergangsängstlich, stets um alles besorgt, vor allem um die eigene Gesundheit) sei das neue links, schreibt Vahlefeld, nicht zu verwechseln mit dem alten links, das für Arbeit, Fortschritt, Zukunftsoptimismus stand. Linksliberal müsste eigentlich grünlinks heißen, denn Linksliberale hätten diverse Versatzstücke aus dem grünen Fundus gemopst. Etwa die „Kultur des Weniger“, die Anbetung der Ökologie, die Geringschätzung der Freiheit. Die „Quäkeridylle“ (Vahlefeld) der Ökohysteriker, die allem das Primat der Umweltverträglichkeit überstülpen – sogar pupsende Kühe werden auf diese Weise zu Klimaverbrechern – ist von den einstigen Landkommunen-Schraten ausgehend längst tief ins Sozenmiljöh eingesickert.
Ja, die neue Linke – vor allem ihr akademischer Zweig – ist ganz gut darin, Tatbestände durch Sprachregelungen zu verändern, ja auf den Kopf stellen zu wollen. Indem die „herrschende“ Sprache zum bloßen gedanklichen Konstrukt erklärt wird, tut sich mittels semantischer Umtopfung ein weites Feld für neue Deutungshoheiten auf. Vahlefeld erklärt das am Begriff „strukturelle Gewalt“, ersonnen 1969 von einem schwedischen Friedensforscher.
Der stellte dem altmodischen Gewaltbegriff, welcher physische Gewalt meint, die angebliche Gewalt der Strukturen entgegen, welche Menschen daran hindert, so zu sein und zu leben, wie sie’s gerne hätten: „Strukturelle Gewalt ist die vermeidbare Beeinträchtigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse oder, allgemeiner ausgedrückt, des Lebens, die den realen Grad der Bedürfnisbefriedigung unter das herabsetzt, was potentiell möglich ist.“
Wenig erstaunlich, dass in Ländern wie Schweden oder Deutschland große Teile der veröffentlichten Meinung, aber auch ein Teil der so grundierten Richterschaft, kuschelweich mit Straftätern umgehen, die es vorgeblich oder wirklich schwer gehabt haben im Leben. Und selbstredend haben nach schwedischer Lesart neun Zehntel der Weltbevölkerung das unabdingbare Menschenrecht, ihrer strukturellen Gewalt zu entfliehen und sich in Gegenden niederzulassen, die friedlicher, sozialer und klimatisch angenehmer sind.
„Die akademische Linke glaubt“, schreibt Vahlefeld, „mit der Herrschaft über die Begriffe und Worte auch die Herrschaft über die Gesellschaft insgesamt erringen zu können.“
Der Erfolg dieser Bemühungen ist beträchtlich. Man kann das an der Karriere eines Begriffs festmachen. Bei den Strömen von Menschen, die während der Jugoslawienkriege in den 1990ern nach Deutschland kamen (und die sich zu einem erheblichen Teil bis heute nicht wirklich integriert haben), sprachen die Medien noch von „Asylanten“ oder „illegalen Zuwanderern“. Beide Zuschreibungen fallen mittlerweile schwer unter Naziverdacht.
Ab dem Merkel-Dekret 2015 begann sich mediendeckend das Wort „Flüchtling“ pauschal für alle durchzusetzen, die es irgendwie ins Land geschafft haben. Weil das –„ing“ angeblich sächlich-abwertend klang, benutzte eine Reihe von Journalisten bald das Wort „Geflüchtete“, und zwar nicht nur in der „taz“. Neuerdings taucht öfters der frömmelnde Begriff „Schutzsuchende“ auf, welcher den Leser mit der Nase drauf schubsen möchte, um was es verdammt noch mal geht.
Wahrscheinlich ist das aber nicht das Ende der Fahnenstange. Da nun häufiger Fälle publik werden, in denen Menschen vor Schutzsuchenden Schutz suchten - übrigens auch echte Schutzsuchende -, muss was Neues her. Wie wäre es mit „Opfer struktureller Gewalt“?
Vahlefelds eleganter Flug über das Kuckucksnest D (der deutsch-englische Autor, geboren 1966 in Hongkong, kennt seine Adornos, Horkheimers, Blochs, schreibt stringent und kultiviert), hat eine interessante Punktlandung gemacht. Sein auf eigenes Risiko im Selbstverlag publiziertes Buch, das ohne nennenswerte Werbung auskommen musste und noch von keinem großen Medium einer Rezension für wert befunden wurde (kein Wunder bei dem Testat, das er großen Teilen der Medien ausstellt), geriet zum Bestseller. Über 10.000 verkaufte Exemplare in ein paar Monaten – für eine politische Bestandsaufnahme mehr als Ritterschlag.
Wie kommt so was zustande? Ich habe da eine Ahnung. „Mal eben kurz die Welt retten“ ist bei allem Irrsinn, den es auflistet und einordnet, durchaus kein düsteres Deutschland-am-Ende-Werk. Durch die Zeilen schimmert, jedenfalls für mich, irgendwie die Hoffnung, dass Aufklärung etwas bewirken kann. Dass vielleicht nicht alles gut, womöglich aber doch ein bisschen besser werden könnte, als es derzeit möglich scheint. Hier geht’s zur ultimativen Revue des Spätmerkelismus.
Markus Vahlefeld: Mal eben kurz die Welt retten - Die Deutschen zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung, Mai 2017. Erhältlich im Buchhandel, auf amazon oder direkt auf markus-vahlefeld.de
Mittwoch, 9. August 2017
Eigendynamik
"Deshalb sage ich allen, die auf solche Demonstrationen gehen: Folgen Sie denen nicht, die dazu aufrufen! Zu oft sind Vorurteile, ist Kälte, ist sogar Hass in deren Herzen!" Mit diesen Worten reagierte die inzwischen Größte Amtierende Kanzlerin aller Zeiten (GröAmKan*Z) bekanntlich in ihrer Silvesteransprache am 31. Dezember 2014 auf den grölenden Mob von Pegida, der Moscheen, Synagogen und zwergwüchsige Minister angriff, öffentlich die Fahnen praktisch sämtlicher nichtdeutschen Nationen verbrannte und für ungezählte Messerattacken auf vor allem abendlandfeindliche Politiker verantwortlich war. – Angesichts der friedlichen Schweigemärsche moderater Islamisten gegen die Schreckenspolitik bzw. Existenz Israels, veranstaltet am vergangenen Wochenende in Berlin und anderen bunten Städten, übte sich die Kanzlerin in orientalisch weiser Zurückhaltung, wahrscheinlich auch aus Rücksichtnahme auf Recep den Prächtigen und Wolfgang Gedeon.
PS 14.14 Uhr: Nun hat sie sich doch zu Wort gemeldet, elegant und formvollendet wie immer. "Wir wenden uns gegen alle Formen des Antisemitismus und des Fremdenhasses", sagte die Kanzlerin nach einer Sitzung des CDU-Vorstands in Berlin. "Der Staat muss mit allen Mitteln des Rechtsstaats dagegen einschreiten." Merkel sprach von "gravierenden Ausschreitungen". Dass "Strafdelikte in Deutschland verboten" seien, sagte sie diesmal nicht; auch von "Schande" war keine Rede, von Hass und sich davon Fernhalten sowieso nicht. Wer die größte Antisemiten-Importspedition der jüngeren deutschen Geschichte leitet, darf auch keine allzu große Lippe riskieren. Und was die GröAmKan*Z mit "allen Mittel" des unter ihrer Ägide gründlich demolierten Rechtsstaates meint, werden wir in den kommenden Wochen und vor allem Jahren studieren dürfen.
***
Dass Feministinnen nicht die allerhellsten Kerzen auf der Menschheitstorte sind, dieser Verdacht ist gelegentlich geäußert und prompt niedergezetert worden, doch die Empirie erledigt mitleidlos ihr beweisführendes Werk. In Stockholm werden jetzt Feministinnen von radikalen Muslimen aus den von letzteren kontrollierten Vierteln vertrieben, denn was wäre eine anständige muslimische Landnahme, wenn diese übergeschnappten Weiber dort unbehelligt ihre gottlose Propaganda treiben könnten?
"Jahrelang kämpften sie für den Zuzug und die Rechte von MigrantInnen, wiesen Kritik am immer radikaleren Islam als Rassismus und Islamophobie zurück und waren überzeugt, Menschen mit völlig anderen Lebensweisen in die westliche Welt ‚hineinstreicheln’ zu können. Ein tragischer Irrtum, wie sich nun herausstellt. Genau von diesen Leuten werden sie jetzt bedroht, als ‚Aufwiegler’ von muslimischen Frauen beschimpft und vertrieben."
Nein, tragisch ist daran wahrlich nichts, denn die Mädels hatten allzeit eine Wahl. Wir befinden uns längst im Satyrspiel.
"Nalin Pekgul ist eine ehemalige Parlamentarierin der linken schwedischen Sozialdemokraten. Sie lebte seit mehr als 30 Jahren unbehelligt in Tensa, einem Vorort Stockholm. Jetzt will sie nur mehr weg. ‚Ich fühle mich hier nicht mehr sicher. Die muslimischen Fundamentalisten haben den Bezirk übernommen und ich kann nicht mehr ins Zentrum gehen, ohne belästigt zu werden. Ich bin dort bekannt, und ich will keine Probleme’, sagte sie." (Mehr hier).
Diese Spinnerinnen bekommen exakt das, was sie bestellt haben; insofern ist auf die willkommenskulturell fellationierten Neumitbürger Verlass. Zuerst nimmt man ihnen ihre angemaßte Klientel weg, danach kommen sie selber an die Reihe. Die frommen Diener Allahs haben wenig übrig für emanzipatorisches Gefuchtel. Der gemeinsame Feind verbindet eben doch weniger, als sich so ein zurechtgegendertes Köpfchen ausmalt. Da die einen sehr viele und die anderen quasi keine Nachkommen haben, muss über den Ausgang dieses Geplänkels nicht weiter spekuliert werden. MK am 11. 12. 2017
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