Wenn man als 60jährige Journalistin noch bei der taz
schaffen geht, ist man entweder eine Enthusiastin oder nicht besonders
intelligent oder beides zusammen – "Oft vereinet ein Gemüte/Dämlichkeit
mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch) –, wovon die bei Maischberger
vorgeladene 60jährige taz-Journalistin Bettina Gaus mit dem Statement
Zeugnis ablegte:
"Eine Million kann dieses Land gut verkraften.
Wenn 83 Leute in einem Raum sitzen und eine Person kommt rein und fragt,
ist hier noch Platz, würde kein Mensch sagen: Nein, es ist überfüllt."
Es wäre in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass, erstens, die
Alterstruktur derer im Raum nicht ganz unerheblich ist, und es zweitens
im gesamten Haus nur wenige Zimmer gibt, die überfüllter sind.
Nehmen wir beides, Altersstruktur und Alltagsgedränge, kurz unter die Lupe, um uns die Proportionen zu veranschaulichen:
„In einer
postrechtsstaatlichen Gesellschaft, in der gewaltsame Fehden ausgetragen
werden, spielt die absolute Zahl der Menschen keine Rolle mehr. In der
Demokratie hat jeder Bürger eine Stimme, wie schwach und inkompetent er
auch sein mag, und vor dem Gesetz sind alle gleich. In der
Tribalgesellschaft ist dies anders. Hier kommt es darauf an, starke,
handlungsfähige, kampfbereite Verbündete zu gewinnen, und da zählt ein
junger Krieger mehr als eine alte Frau.
In Deutschland gibt es
zur Zeit etwa 5 Millionen junge Männer im Alter zwischen 20 und 35
Jahren. Zieht man davon eine Million Männer mit 'Migrationshintergrund'
ab, so bleiben 4 Millionen ethnisch deutsche Männer. Die Einwanderung
von jungen Männern aus Tribalgesellschaften beträgt zur Zeit etwa
800.000 Personen im Jahr. Dies bedeutet, daß in fünf Jahren etwa ebenso
viele tribalgesellschaftliche junge Krieger in Deutschland leben werden,
wie es deutsche Männer in ihrer Altersgruppe gibt. Der quantitative
Effekt der Einwanderung auf die indigene Bevölkerung ist also weit
höher, als wenn man nur die absolute Zahl der Einwanderer (1 Million) in
Bezug setzt zur Gesamtbevölkerung (80 Millionen), was im Jahr nur 1,25 %
sind.
Allerdings bedeutet dies nicht, daß sich innerhalb von
nur fünf Jahren gleich große Bürgerkriegsarmeen gegenüberstehen werden.
Die Einwanderer entstammen zwar Tribalgesellschaften und verfügen über
die entsprechende Aggressivität, doch kommen sie aus sehr verschiedenen
Gesellschaften, d. h. sie bilden keinen einheitlichen 'Stamm', auch wenn
sie (etwa als sunnitische Muslime) bestimmte kulturelle Gemeinsamkeiten
haben. Was ihnen jedoch fehlt, ist eine umfassende Organisation. Sie
sind daher trotz ihrer Größe nicht zu einem koordinierten Angriff fähig,
während die nationalen Sicherheitsbehörden (Polizei, Bundeswehr) dazu
durchaus in der Lage sind. Eine generelle Erfahrung komplexer
Gesellschaften lautet, daß militärisch gut organisierte Minderheiten in
der Lage sind, größere Mehrheiten zu beherrschen, solange es gelingt,
diese desorganisiert zu halten. Eine militärische Machtübernahme von
Islamisten ist daher nicht zu erwarten.
Statt dessen aber ist
der Rückzug des Rechtsstaats aus der Regelung von Alltagskonflikten sehr
wahrscheinlich. Die Existenz und Legitimität des Rechtsstaats beruht
letztlich auf seiner nicht in Frage gestellten Selbstverständlichkeit.
Diese wird im multitribalen Kontext aber aufgelöst, und es entsteht eine
merkwürdige Gemengelage unterschiedlicher normativer Orientierungen. So
kann man (in der heutigen Anfangsphase der Auflösung des Rechtsstaats)
beobachten, daß dieser seine feinsinnigen, auf eine hochgradig
integrierte und befriedete Gesellschaft eingestellten Regeln auch auf
Situationen anwendet, die nahe am Bürgerkrieg liegen. So gibt es bei
Gesetzesverstößen das Institut der Bewährungsstrafe, das von der Annahme
ausgeht, die Regelverletzung sei ein reversibler Irrweg, und man dürfe
dem Verletzer nicht den 'Rückweg' in die normale soziale Existenz
verbauen. Wenn man diese Bewährungsstrafe auf einen Delinquenten aus
einer Tribalgesellschaft anwendet, wird er dies als Freispruch und damit
als Ausdruck von Schwäche interpretieren. Er muß sich nicht 'bewähren',
denn seine ‚Integration’ in die eigene Gesellschaft hat er nie
verloren. Die deutsche rechtsstaatlich geprägte Gesellschaft ist für ihn
dagegen bloßes Beutegebiet, auf das er umso entschlossener zugreifen
wird, je schwächer der Widerstand ist."
(Rolf Peter Sieferle, „Das Migrationsproblem“, S. 114-115, zitiert nach Acta Diurna 5. 10. 2017)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.